Pränataldiagnostik – Fluch oder Segen

Wir bekommen ein Baby!

Schon seit Tagen ist mir abends so übel und ich möchte nur noch schlafen. Zum Glück habe ich vorsorglich ein paar Schwangerschaftstests gekauft. Also beschließe ich einen Test zu machen, positiv sollte er nicht sein bzw. kann er doch gar nicht sein. Oder? Ich meine, ich habe ja noch bis vor kurzem die Pille genommen und so schnell kann das doch gar nicht gehen.

Außerdem heißt es doch Morgenübelkeit und die sollte doch morgens sein und nicht jeden Abend ab ca. 17 Uhr.

Fünf Minuten dauern wirklich ewig, wenn man auf etwas gespannt wartet und das tu ich. Wir wollen ja auch ein Baby, aber doch nicht so schnell! Es hieß, das wird bestimmt mindestens ein halbes Jahr dauern, da ich über einen  so langen Zeitraum die Pille genommen hatte.

Nun sind die fünf Minuten vorbei und ich schaue nervös auf den Teststreifen…. und er ist positiv! Das kann doch gar nicht sein! Ich bin sprachlos, verwirrt, überglücklich. Kann das wirklich stimmen? Aus Angst ich könnte mich jetzt freuen und es stimmt dann doch nicht, teste ich gleich nochmal. Und auch der zweite Test ist positiv! Meine Gedanken überschlagen sich und ich würde am liebsten die ganze Welt umarmen.

In der Arbeit kann ich mich kaum konzentrieren. Ich kann es nicht erwarten, die tolle Neuigkeit meinem Mann zu erzählen, also schicke ich ihm eine Nachricht mit dem Foto des Tests. Zuerst glaubt er mir nicht, doch dann ist auch er aus dem Häuschen.

Nachdem die Frauenärztin es bestätigt und die 12. Schwangerschaftswoche verstrichen ist, können wir es nun endlich allen erzählen. Die werdenden Großeltern freuen sich fast mehr als wir.

 

Bis vor ein paar Jahren konnte man nur hoffen, dass das Kind gesund und munter zur Welt kommt. Meist war man froh, wenn man das Geschlecht des Babys vor der Geburt erfuhr.

Heutzutage ist das jedoch ganz anders. Es gibt etliche Untersuchungen, die schon während der Schwangerschaft etwaige Krankheiten, Behinderungen und Fehlbildungen feststellen können.

Es ist immer wieder wunderschön zu den Ultraschall-Untersuchungen zu gehen und unser ungeborenes Baby zu sehen. Mein Mann und ich können es jedes Mal kaum erwarten. Kurz vor Weihnachten erfahren wir, dass es ein Junge wird. Ein kleiner süßer Junge! Die Großeltern kaufen schon fleißig ein und wir haben schon genug Babykleidung, obwohl es noch Monate dauert, bis der Kleine zu uns auf die Welt kommt.

 

Der Horror beginnt

Da wir der Überzeugung sind, dass uns nichts Schlechtes widerfahren kann und unser Kind bestimmt gesund ist, haben wir auf die Nackenfaltenmessung verzichtet.

Das Organscreening will ich mir jedoch nicht entgehen lassen, da ich unbedingt mein ungeborenes Baby auf einem 3D-Bild sehen möchte.

Nichts Böses ahnend gehen wir zu dem Arzt und freuen uns, auf tolle Bilder unseres Lieblings. Der Arzt meint jedoch, dass zwar so alles gut aussieht, er jedoch das Herz des Kindes nicht genau sehen kann. Aus diesem Grund sollen wir in einer Woche wieder kommen. Gesagt getan, eine Woche später stehen wir wieder auf seiner Matte. Diesmal erklärt er uns, dass bei dem Herz irgendetwas nicht passt und wir ins AKH Wien fahren und das genau untersuchen lassen sollen.

Mittlerweile war ich in der 27. Schwangerschaftswoche. Der Arzt im AKH untersuchte ungefähr eine halbe Stunde das Herz unseres Sohnes und erklärte uns anschließend ganz sachlich und kühl, dass die Nabelschnur nur zwei statt drei Gefäße besäße und die Aorta des Herzens in die falsche Richtung führe. Außerdem erläuterte er uns, dass dies Anzeichen für eine genetische Krankheit seien und dass unser Baby zu 33% das DiGeorge-Syndrom hätte. Es könnte sein, dass es nur ein paar Fehlbildungen hat, es könnte aber genauso gut auch sein, dass es geistig und körperlich schwerst behindert ist.

In diesem Moment bricht die Welt für uns zusammen. Mein Mann wird ganz blass und sagt nichts mehr. Ich sehe, wie entsetzt und verletzt er ist und da kann ich nicht mehr. Ich fange an zu weinen. Kann das wirklich sein? Unser Baby soll behindert sein? Ich kenne diese Krankheit doch gar nicht, habe noch nie davon gehört und plötzlich soll mein Kind das vielleicht sogar haben? Woher kommt das?

Diese fürchterliche Nachricht müssen wir erstmal verarbeiten. Jedoch bekommen wir diese Gelegenheit nicht, sondern sollen sofort mit einer Psychiaterin sprechen. Sie fragt, ob wir denn keine Ahnung hatten, dass unser ungeborenes Kind diese Krankheit haben könnte. Hallo? Woher hätte ich das denn ahnen sollen? Des Weiteren will sie wissen, wie wir damit umgehen und was wir nun tun werden.

Der kaltherzige Arzt bietet uns sogar an, eine Fruchtwasseruntersuchung zu machen, um auf Nummer sicher zu gehen. Er meint, sollte diese Untersuchung positiv sein, hätte ich jetzt noch die Möglichkeit den Fötus abtreiben zu lassen. Als der Arzt dies sagt, bin ich entsetzt. Ich möchte mein Kind behalten! Auch wenn es eine Behinderung haben sollte, ist und bleibt es mein Kind! Außerdem ist eine Fruchtwasseruntersuchung nicht ganz ungefährlich, eines von 20 Babys stirbt dabei.

 

Daheim versuchen wir uns gegenseitig zu trösten und aufzubauen. Aber es ist sehr schwer. Ich habe oft Albträume und ich kann mich oft nicht richtig konzentrieren. Andauernd denke ich an mein Kind und an die Möglichkeit einer Behinderung. An manchen Tagen ist es besser und ich habe die Hoffnung, dass alles in Ordnung ist und mein Sohn kerngesund ist. Leider häufen sich die Tage, die gefüllt sind mit dem Schmerz, der Ungewissheit und der inneren Leere. Einerseits sehne ich den Tag der Geburt herbei, andererseits habe ich Angst davor.

 

Die Geburt

In den Wochen vor der Geburt muss ich andauernd ins Spital, da die Herztöne des Kindes nicht ganz passen. Die Angst und die Sorge steigern sich ins Unermessliche. Fünf Tage vor dem errechneten Termin ist die letzte Kontrolle, bei der leider die Werte sehr schlecht sind. Es wird beschlossen, ihn am ET zu holen – durch eine Einleitung der Geburt.

Nach 6 ½ Stunden Wehen ist er endlich auf der Welt und sieht perfekt aus. Blut wurde abgenommen, eingeschickt und untersucht. Sollten wir nach 2 – 3 Wochen keinen Brief bekommen, ist er gesund, ansonsten müssen wir ihn genau untersuchen lassen. Wieder müssen wir warten. Es ist schrecklich und ich halte es fast nicht aus. Wir warten sogar 5 Wochen und erst dann freuen wir uns, da wir nichts bekommen haben. Unser Sohn ist kerngesund!

Obwohl der Arzt im Spital schon davon ausging, dass unser Sohn krank sei und sogar bereit war sein Leben aufs Spiel zu setzen und ihn Abtreiben zu lassen, ist er nun gesund. Am liebsten würde ich nochmals zu diesem Scharlatan fahren und ihm meine Meinung sagen.

 

Fazit

Einerseits ist die Pränataldiagnostik zwar eine gute Sache, da man Fehlbildungen und Behinderungen früh erkennen und behandeln kann. Sollte ein Kind beispielsweise eine offene Schädeldecke haben, könnte man es gleich erlösen und braucht es nicht unnötig leiden lassen. Andererseits kann es aber auch passieren, dass man mit solchen Untersuchungen werdende Eltern unnötig in Panik versetzt, so wie es bei uns der Fall war.

Meiner Meinung nach sind diese Untersuchungen zwar toll, aber man sollte sich niemals darauf verlassen und daraufhin fertig machen. Das Wichtigste ist, dass man die Schwangerschaft genießt und sich auf sein Kind freut.

eure 

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Was ist die Pränataldiagnostik?

Für alle, die nicht genau wissen, was damit gemeint ist: Zusätzlich zu den normalen Untersuchungen in der Schwangerschaft (=Mutter-Kind-Untersuchungen) gibt es freiwillige vorgeburtliche Untersuchungen, die jedoch selbst zu bezahlen sind.

Auch wenn es unglaublich klingt, aber ungefähr nach der 12. Schwangerschaftswoche ist der Embryo im Mutterleib bereits vollständig entwickelt. Zu dieser Zeit kann man die Nackenfaltenmessung durchführen lassen, um festzustellen, ob das Kind eine Chromosomstörung (z.B. Down-Syndrom) hat.

Ungefähr in der 20. Schwangerschaftswoche folgt das Organscreening, bei dem alle Organe genauestens untersucht werden.


 

 

 

2 Gedanken zu „Pränataldiagnostik – Fluch oder Segen

  1. Puh! Was bin ich froh. Ja – der Segen des Wissens oder auch nicht. Ich habe mich bewusst gegen diese Untersuchungen entschieden, da ich mir keinen Abbruch der Schwangerschaft hätte vorstellen können. Ich habe darauf vertraut, dass die Natur eingreift und es seinen Weg geht. Hach – welche Panik, was für unsensible Ärzte! Ein Alptraum! Ich habe wider der Voraussagen keinen schweren Jungen geboren, zu früh – aber das war dann die Präeklampsie (Nierenbetont) und nicht das Kind und die Tochter ein Brocken von 57 cm – hat auch keiner so gesehen. Ja – ich kenne auch eine Freundin, die die Fruchtwasserentsuchung vornehmen liess und dann im Krankenhaus bangte, ob sie keine Fehlgeburt hat. Kind gesund, aber das wünscht man niemanden! Nie!

    • Ja, diese Untersuchungen können einen wirklich in Panik versetzen. Ich würde diese Untersuchungen auch nicht mehr machen bzw. ihnen nicht mehr ganz vertrauen.

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