50 Worte und noch mehr

Mutter-Kind-Pass Untersuchungen sind bei uns in Österreich verpflichtend. Zumindest, wenn man weiterhin das Kinderbetreuungsgeld erhalten möchte. Also besuchen brave Eltern mit ihren Kindern regelmäßig den Kinderarzt und der untersucht das Kind, ob sich auch alles rechtzeitig und richtig entwickelt.

Impfung

Vor ein paar Tagen hatten wir einen Arzttermin wegen einer Impfung. Froschi war richtig brav und hat bei der Impfung, wie immer, nur ganz kurz geweint. Aber nach dem Keksi war alles wieder gut. Unsere Kinderärztin ist ein Traum. Sie ist eine Wahlärztin und nimmt sich deshalb auch für jeden vieeel Zeit. Sie fühlt sich in die Kinder hinein und belohnt sie nach der Impfung mit Keksen.

50 Worte

Dann erklärte mir die Ärztin, dass wir in drei Wochen für die MuKi-Pass Untersuchung wieder kommen sollen. Dann wird alles genau angeschaut und kontrolliert. Außerdem gab sie mir eine Aufgabe bis dahin. Ich soll alle Wörter aufschreiben, die mein Froschi nun schon sagen kann. Mit zwei Jahren sollten es 50 Wörter sein.
Ich war sprachlos und starrte sie an. 50 Wörter? Das kann mein Kind doch niemals! Er kann doch gerade erst ein paar Worte und mehr nicht! Wie soll er denn innerhalb von nur drei Wochen so viel lernen! Ich war richtig entsetzt. Vorsichtig fragte ich, was passiert, wenn er das nicht kann. Da sah mich die Ärztin streng an und sagte, dass nichts passiert, aber dass wir darauf hinarbeiten sollen. Wir Eltern sollen ihn dazu animieren, dass er sprechen lernt. Wenn er etwas will, sollen wir uns ahnungslos stellen, denn dann muss er sprechen lernen. Ich war richtig skeptisch, da ich eigentlich der Meinung bin, dass sich Kinder frei entfalten sollen. Jedes Kind lernt anders und so kann zum Beispiel das eine Kind zwar weniger Wörter sprechen, dafür schneller laufen, wohingegen wieder ein anderes Kind schon sehr schön basteln kann. Warum ist es so wichtig, dass die Kinder in einem gewissen Alter alle dasselbe können?

Die Liste der Worte

Daheim setzte ich mich dann trotz aller Bedenken hin und versuchte ein paar Worte aufzuschreiben. Anfangs war es etwas schwieriger. Auf Anhieb fielen mir fast keine Wörter ein, die mein Kind schon sagen kann. Kurzzeitig war ich schon am verzweifeln. Kann er vielleicht nur ganz wenige Gegenstände benennen? Doch als ich erst mal in Fahrt war und einige Worte auf dem Zettel stehen hatte, fielen mir immer mehr Wörter ein, die mein tolles Kind schon sagen kann. Am Abend standen schon 25 Worte darauf! Ich war richtig stolz auf mein Froschi. Mir ist noch nie aufgefallen, dass er schon so viel sagen kann! Zugegeben, ich wäre auch niemals auf die Idee gekommen, die Wörter mitzuzählen oder gar aufzuschreiben. Im Laufe der nächsten Tage fielen mir immer wieder Wörter auf, die er schon sprechen kann und jedes dieser neuen Worte schrieb ich sofort wieder auf den Zettel. Die Liste wurde immer länger und länger. Und mit jedem neuen Wort wurde ich nur noch stolzer auf mein Baby.

Auszug der Worte

Mama, Papa, Oma, Opa, Bauch, taktak (Tracktor), Bagga (Bagger), Aug (Auge), Baum, baba, Pingu (Pinguin), Kika (Kikaninchen), Hopaka (Hopala), Auweh auweh, Pagei (Papagei), Hunga (Hunger), Aube (Haube), Hamma (Hammer), Mau (Maus),…

 

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Erwarten eure Kinderärzte auch Sachen, die euch übertrieben vorkommen? Sachen, an die ihr gar nicht denkt und die ihr als unwichtig erachtet? Dinge, die euch nie aufgefallen sind, eure Kinder aber können?

 

eure

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Der Tag an dem ich beschloss abzustillen

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Bild: Tiny Toes

 

8 Gedanken zu „50 Worte und noch mehr

  1. Hallo,

    ganz ehrlich? Ich finde das furchtbar. Diese Raster, in das die Kinder gepresst werden. Ein Kind kann in diesem Alter dieses, das andere Kind kann jenes. Auf diese Weise wird den Eltern doch nur vermittelt „Mit dem Kind stimmt etwas nicht“. Bei einem Kind, das sich sicherlich wie die meisten Kinder auch normal und in seinem Rhythmus entwickelt.
    Liebe Grüße 🙂

    • Hallo Lisa!

      Anfangs war ich auch geschockt und fand es schrecklich! Etwas mehr Feingefühl der Ärzte und weniger Druck wären ratsam. Vor allem finde ich es generell schlimm, wenn Eltern ihre Kinder miteinander vergleichen. Das sollte man niemals tun!

      Liebe Grüße
      Melissa

  2. Hallo 🙂

    Ich finde die Idee ansich nicht schlecht. Aber ehrlich gesagt nur als Erinnerungsaspekt. Später mal dem Kind zeigen, welches seine ersten 50 Wörter waren, oder daraus was tolles basteln.- super Idee!
    Aber ich halte nichts, vom Norm-Trend und wenn ich dann lese, das ein Kind in 2 Jahren 50 Wörter sprechen soll und man es deshalb aufschreiben „muss“ dann finde ich das Quatsch. Es baut doch unnötig Druck auf. Und fordert nicht unbedingt, die Tatsache, dass diese Norm Trends Müll sind….
    Es ist unwichtig, ob es 100, 50 oder 3 Wörter sind. Irgendwann machen die Kleinen das schon.

    • Hallo Yvi!

      Ja, da hast du Recht. Anfangs war ich auch geschockt über diesen Zwang. Er MUSS mindestens 50 Wörter sprechen können und ich MUSS diese Wörter aufschreiben. Warum man aber den Kindern, vor allem wenn sie noch so klein sind, alles aufdrängt und sie so genau kontrolliert verstehe ich nicht. Natürlich muss man immer wieder schauen, ob sich das Kind gut entwickelt oder es vielleicht Förderungen benötigt. Aber diese Vorgaben finde ich einfach viel zu streng und zu genau. Die Ärzte sollten eher sagen: Schreiben Sie alle Wörter auf, die ihr Kind sagen kann. Es würde mich interessieren, wie viele und vor allem welche Wörter er schon kann.“ Fertig. So ist der Druck weniger und trotzdem hat der Arzt die Kontrolle des Entwicklungsstandes.
      Jetzt im Nachhinein habe ich eine Liste mit über 50 Wörtern. Die Idee mit dem Basteln gefällt mir sehr gut und möchte ich nun auch in die Tat umsetzen. Danke!

      Liebe Grüße
      Melissa

  3. In Deutschland ist es um den zweiten Geburtstag herum das selbe, da wollen die Ärzte auch 50 Wörter wissen. Wenns nicht klappt, wird über Förderung nachgedacht. Na ja, unsere Maus ist erst 1,5, sie hat also noch Zeit. Außer „Nein“ und „Da“ und „Dada“ für Papa kommt da noch nichts. Aber sie ist auch zweisprachig und konnte schon sehr früh laufen. Sie quasselt auch sonst sehr viel, wir verstehen sie nur eben nicht *g* Ich mache mir daher keine Sorgen.

    • Hallo Christine!

      Also ob das bei uns in Österreich auch so ist mit der Förderung, weiß ich leider (oder zum Glück?) nicht. Mein Sohn lernte eigentlich die meisten Worte erst kurz vor seinem 2. Geburtstag. Davor waren es nicht mal zehn Wörter! Bei der MUKI-Untersuchung konnte er dann knapp über 50 Wörter und die Ärztin war beruhigt. Lediglich Sorgen bereitete ihr, dass er nur ein Wort sagt. 2-Wort-Sätze kann er bis jetzt nicht…. Aber was solls? Er versteht fast alles und plaudert den ganzen Tag vor sich hin. Und ja, auch mit einzelnen Wörtern kann er genau sagen, was er möchte! Also wir und auch die Kindergartentanten verstehen ihn 🙂

      Liebe Grüße
      Melissa

  4. Bei uns in D „sollen“ sie auch mind. 50 Wörter können und 2-Wort-Sätz, ich weiß noch, bei der U des Großen 2011 dachte ich 4 Wochen vorher noch, das schaffe er nie, bis zum Termin sprach er dann aber schon 3-Wort-Sätze. Es geht weniger darum, Kinder in ein Schema zu pressen, sondern darum, eventuelle Probleme frühzeitig zu erkennen. Wenn mal ein Kind etwas zur U nicht konnte, war das nie ein Problem, es wird auf das Gesamtbild geschaut. Unser Zwerg (21 Monate) spricht aber auch bestimmt 50 Wörter, wenn man Namen mitzählt.

    • Hallo Denise!

      Wenn die Ärzte, wie bei uns, sagen: Er MUSS mindestens 50 Wörter sprechen können und ich MUSS diese Wörter aufschreiben, finde ich das nicht ok. Etwas mehr Feingefühl der Ärzte und weniger Druck wären ratsam. So machen sich die Eltern im Vorhinein nur unnötig Sorgen und im Endeffekt ist es dann eh nicht mehr so schlimm.
      Aber generell betrachtet, ist es natürlich wichtig, dass man die Entwicklung der Kinder immer im Auge behält, sodass man gegebenenfalls frühzeitig eingreifen und fördern kann.

      Liebe Grüße
      Melissa

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