Der Tag an dem ich beschloss abzustillen

Weder mein Sohn noch ich hatten es besonders eilig mit dem Abstillen. Von Anfang an habe ich die enge Bindung und Nähe zu meinem Baby genossen. Die Intimität und das Gefühl von Geborgenheit waren wunderschön. Erst durch diese unendlich schönen und entspannten Momente wurde mir bewusst, dass ich nun Mutter bin und die Verantwortung für ein Menschenleben habe. Das Leben MEINES KINDES liegt in MEINEN HÄNDEN.

 

Aller Anfang ist schwer

Bevor mein Sohn auf die Welt kam, habe ich nie groß darüber nachgedacht, wie das Stillen sein wird und wie lange ich mein Kind stillen möchte. Lediglich eines wusste ich genau: Ich möchte unbedingt mein Baby stillen.

Die ersten Tage im Spital waren noch sehr schwer. Ich wusste nicht genau, wie ich mein Kind beim Stillen halten soll und woran ich merke, dass er satt ist. Auch einen sehr großen Fehler habe ich begangen. Mein Sohn schlief an der Brust ein und ich wollte seinen Mund vorsichtig lösen. Da ich nicht genau wusste wie, habe ich ihn einfach weggezogen. Das waren Schmerzen! Meine Brustwarte war danach offen und tat weh. Die Hebamme war in dem Moment bei mir im Zimmer und erklärte mir, dass ich nur meinen kleinen Finger in seinen Mund geben und so sein Kiefer etwas öffnen müsste. Seit dem ich diesen kleinen Trick kannte, hatte ich nie wieder Probleme.

Anfangs bestand unser Tag fast ausschließlich aus stillen, schlafen und spazieren gehen. Während dem Stillen konnte ich nicht nur die Nähe meines Babys genießen, ihn genauestens beobachten und sein Aussehen in mir aufnehmen, ich konnte auch meinem größten Hobby nachgehen: dem Lesen. In den ersten Wochen las ich wirklich sehr viele Bücher. Doch dann wurde mein Sohn älter und wollte immer mehr und öfter spielen, die Milch brauchte er einfach nicht mehr so oft.

 

Stillalltag

Mit ca. vier Monaten hat es sich eingependelt, dass wir morgens im Bett kuschelten und er währenddessen trank. Um ca. 9 Uhr stillte ich ihn wieder und er schlief ein. Ebenso stillte ich ihn zu Mittag und ca. um 15:30. Abends ging mein Sohn ungefähr um 19 Uhr schlafen, natürlich wieder mithilfe seiner geliebten Mamimilch. So assoziierte er das Trinken an der Brust mit dem Schlafen gehen. Diese Tatsache hat mich lange Zeit nicht gestört. Erst als mir das nächtliche Aufstehen und Stillen zu viel wurde. Ungefähr alle zwei Stunden wollte er gestillt werden! Ja, es war teilweise wirklich nervenzehrend. Vor allem, weil mein Froschi nur mit mir schlafen gehen wollte. Bei Papa begann er zu weinen, zu strampeln, zu hauen und sich zu verbiegen.

Wenn wir mal abends unterwegs waren und eine der Omas aufpassten, reagierte mein Zwergi zwar nicht ganz so heftig, aber es gelang den Großeltern trotzdem nur sehr schwer bis gar nicht, ihn zum Schlafen zu bewegen. Oft war er um 22 Uhr oder später noch wach und wartete auf uns. Deshalb wurde von ihnen oft das Thema Abstillen angesprochen. Ich wollte davon jedoch nichts hören. Mein Froschi liebte das Stillen so sehr.

Er genoss es, es beruhigte ihn, er konnte sich entspannen und es tröste ihn.

 

Beikost

Als er sechs Monate alt wurde, meinte die Kinderärztin, ich solle nun mit dem Beifüttern von Brei beginnen. Die ersten drei Tage hat es sogar funktioniert und er aß ein paar Löffeln. Doch dann verweigerte er jegliches Essen und wollte nur noch Muttermilch. Also habe ich mit dem Brei aufgehört. Erst mit 8 ½ Monaten versuchten wir es wieder und siehe da, er aß meist brav seinen Brei und liebte ihn. Mit ungefähr einem Jahr wollte er keinen Brei mehr und wir stiegen um auf BLW. Plötzlich wurde das Kochen schwerer, da ich genau achten musste, was ich kochte und wie ich es zubereitete. Aber er aß plötzlich sehr gerne und liebte das neue Spielzeug, welches man auch essen kann.

 

Das Drängen zum Abstillen

Im Laufe der Zeit musste ich mir leider immer wieder anhören, dass ich doch endlich abstillen sollte. Laut der Kinderärztin sollte ich abstillen, damit mein Kind in der Nacht durchschläft, laut der Frauenärztin und der Apothekerin sollte ich abstillen, damit sich meine Periode wieder reguliert und die Großeltern wollten, dass ich abstille, damit ihr Enkerl bei ihnen übernachten kann. Auch von Freunden, Bekannten und Fremden wurde ich immer wieder auf das Thema angesprochen. Hauptgrund: „Er ist ja schon so groß und da braucht er das ja gar nicht mehr.“ Wer bitte sagt denn das?? Ja, ich habe meinen Sohn zwei Jahre und eine Woche lang gestillt. Und? Wen hat es geschadet?

 

Abstillen

Als mein Sohn zwei Jahre alt war, stillte ich ihn noch beim Schlafen gehen und in der Nacht. Jedoch musste ich wieder arbeiten gehen und das war teilweise sehr anstrengend. Meine Periode spielte auch komplett verrückt, sodass ich alle zwei Wochen meine Blutung hatte. Schon bald konnte ich nicht mehr und es musste eine Lösung her. Als mein Mann Nachmittagsschicht hatte und abends nicht daheim war, hatte ich viel Zeit. Ich dachte mir, dass ich es einfach mal probieren werde.

1. Nacht: Ich versuchte mein Kind auf verschiedene Arten zum Schlafen zu bringen. Tragen, Singen und Kuscheln klappten jedoch nicht und er weinte. Nach einer halben Stunde tat er mir so leid und ich stillte ihn trotzdem noch. Jedoch erklärte ich ihm, dass dies nun das letzte Mal sei, denn er sei schon so groß und brauche das eigentlich nicht mehr.

2. Nacht: Zuerst trug ich ihn im Zimmer spazieren und sang ihm dabei Schlaflieder vor. Dann legte ich mich mit ihm in sein provisorisches Bett (Ich habe sein Kindersofa aufgeklappt, sodass eine Liegefläche entsteht.). Dort sang ich ihm weiter Lieder vor und streichelte ihm über sein Gesicht. Nach 2 ½ Stunden schlief er endlich. Geweint hat er kein einziges Mal.

3. Nacht: An diesem Abend war mein Froschi schon sehr müde. So hatte ich es sehr leicht, da ich ihn nur 20 Minuten im Zimmer herumtragen musste und schon schlief er ein.

4. Nacht: Trotz allen Versuchen konnte er einfach nicht einschlafen. Ich ging sogar mit dem Kinderwagen spazieren, doch es dauerte ewig, bis er endlich müde wurde und ins Traumland segelte. Dieser Abend war wirklich anstrengend.

5. Nacht: Nachdem ich mein Baby eine halbe Stunde herumgetragen habe, hat sich mein Mann mit ihm in den Stillsessel gesetzt und ihm am Handy Schlaflieder vorgespielt. Vor allem das La-le-lu-Video. Schon nach wenigen Minuten schlief unser Froschi tief und fest.

6. Nacht: Nachdem wir den ganzen Tag im Tierpark Herberstein verbracht hatten, war unser Sohn hundemüde. Ich musste ihn nur eine halbe Stunde herumtragen, und schon schlief er ein.

 

Drei Wochen später

Nun stille ich meinen Sohn schon seit drei Wochen nicht mehr. Anfangs war es ungewohnt und es fehlte uns beiden. Er fragt zwar noch immer hin und wieder nach und würde sich freuen, wenn ich ihn wieder trinken lassen würde, aber mein braves und süßes Kind akzeptiert es und weint deswegen nie.

Das Schlafengehen gestaltet sich ganz unterschiedlich. An manchen Abenden schläft er brav und schnell beim Herumtragen ein, an anderen Abenden kann er aus irgendeinem Grund nicht einschlafen und es dauert ewig.

 

Wie gestaltete sich das Abstillen bei euch?

 

eure

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Bild: Tiny Toes

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