Das Gesetz und die Magie der Wahrsagerei

Kennt ihr das auch, wenn ihr zu einem familiären Event an den Feierteigen eingeladen seid und man nicht weiß, ob man gute Miene zum bösen Spiel machen soll oder die Verwandtschaft doch lieber mit gefärbten Eiern bewerfen sollte? Und da war ja auch noch diese Sache mit der Kartenlegerin. Aber lest selbst!


Onkel und Tante sind die ältesten lebenden Verwandten. Der Rat der Weisen. Das Gesetz. Die Gurus des Clans. Die Richter über Glück oder Bestrafung. 
Sie laden nicht zum Mittagessen ein, sie schicken einen Befehl, dem nicht zu widersprechen ist. Tut man es doch, kann es die unwiderrufliche Verstoßung aus der Sippe zur Folge haben und man wird des Hochverrats angeklagt.


Mir wurde mitgeteilt, dass ich mich heute um PUNKT 12 einzufinden habe, und wohlwissend was ich da heute zu erwarten hätte, verbrachte ich den gestrigen Abend mit Yoga und starkem Psychopharmaka.


Tante lebte nach dem Weltkrieg in ärmsten Verhältnissen und ALLES musste so fett wie möglich zubereitet werden, damit es satt machte, und diese Angewohnheit hat sie nie abgelegt. Als sie heute eifrig den Suppentopf servierte und den Deckel stolz abhob, bekam ich nur vom Anblick die erste Gallenkolik. In dem Topf befand sich irgendwo Suppe, die allerdings durch eine 5 cm dicke oben schwimmende Fettschicht nicht erkennbar war. Dennoch sah Onkel mich streng an und ich eröffnete die Zeremonie mit dem Satz:


„Mmhhh, die beste Suppe, die ich je gesehen habe!“ 

So will es das Gesetz. 


Danach gab es Fleischlaibchen, die so derartig vor Öl tropften, dass ich kurzweilig immer wieder ins Koma fiel und spürte, wie sich auch meine Leber schön langsam verabschiedete. Gott sei Dank konnte ich zwischen den Ohnmachtsattacken aber noch irgendwann den Satz:


„Mmhhh, die besten Laibchen meines Lebens“ stöhnen. 
So will es das Gesetz. 


Die Torte war so massiv schokoladig, dass meine Beine taub wurden und ich kurz vor einem multiplen Organversagen stand, dennoch musste ich diesen Satz, der Gesetz ist, von mir geben, ansonsten hätte mich Onkel wahrscheinlich an Ort und Stelle enterbt und hingerichtet. 


Zum krönenden Abschluss erhielt ich einen zweistündigen Vortrag über die gute alte Zeit, musste bei einem Hausrundgang tausend Mal jeden einzelnen Einrichtungsgegenstand bewundern und diesen Satz, der Gesetz ist, begeistert dazu ausrufen.

Mit einem Kuss auf die Stirn wurde ich verabschiedet und nachdem Onkel die Türe hinter mir schloss, stellte ich fest, dass meine gesamte Kleidung von oben bis unten an mir klebte. Pures reines Fett, das mein Körper ausgeschieden hat, um mich irgendwie vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Als mich der Lord bei meiner Heimkehr fragte, ob ich denn auch Pancakes haben wolle, war ich seinen Angaben zufolge eine Stunde lang ohne Bewusstsein, nachdem ich „die besten Pancakes die ich je gesehen habe“ gestammelt hatte.

 

Karten, Windeln und Bier 

Das letzte Wochenende verbrachte ich bei Verwandten am Land, wo sich nachmittags eine Nachbarin aus dem Dorf zur Sippe gesellte. Im Laufe der Plauderei erzählte sie mir, sie wäre auch Kartenlegerin, also bat ich umgehend um eine Zukunftsprognose.

Ich war zwar leicht skeptisch, weil sie weder in Lumpen gekleidet vor mir saß, noch einen Vogel auf ihren Schultern sitzen hatte, noch mit Warzen übersät war. Aber gut, die moderne Hexe ist eben anders.

Im Grunde sagte sie mir neben einigen unwichtigen Details, folgendes voraus :
1. Eine berufliche Veränderung stünde ins Haus.
2. Ein naher Verwandter sorge sich sehr um mich.
3. Ein Mann, der mich schwer beeindrucken würde wäre im „Anmarsch“
4. Ich solle mehr auf meine Gesundheit achten.

Am Montag meldete sich Pocahontas mit Schmerzen im Knie krank, was Doppelschichten im 13 Stunden Ausmaß für mich zur Folge hatte. Womit Punkt eins erfüllt war.

Am Dienstag vergass ich mein 4 Kilo schweres Fresspaket zu Hause und ernährte mich während der gesamten Doppelschicht von Kaugummis, weils in meinem Betrieb sonst nix zu kaufen gibt. Beim abendlichen Heimkommen stürmte ich den Kühlschrank und stopfte Weichkäse mit Trinkjoghurt, Erdbeeren mit Milchschnitten und Streichwurst mit Gurken in mich hinein.
4 Stunden später erwachte ich mit derartigen Schmerzen im Bauchraum, dass ich für die nächsten Sekunden die Geburt eines 600 Kilo Walrosses erwartete, ohne Hebamme oder Betäubung. Ich verstarb die halbe Nacht am WC, und hatte am Tag danach Augenringe und ein verschwollenes Gesicht wie eine mongolische Dorfälteste, die ihren 130ten Geburtstag feierte. Punkt 4 war erfüllt.

Am Mittwoch Abend saß ich kurz mit dem Lord zusammen, der an diesem Tag irgendeinen Artikel über Pflege im Alter in irgendeinem Schundblatt gelesen hatte. Ob er mich pflegen müsse, wenns denn bei mir soweit wäre, fragte er mich. Ich prognostizierte ihm, dass er mich dann nur mehrmals täglich zu wickeln, mir den Sabber von den Mundwinkeln zu tupfen und für Nahrung in Breiform zu sorgen hätte. Und dass er sein gesamtes Leben auf meine fortschreitende Demenz auszurichten hätte. Sein angewiderter sorgenvoller Gesichtsausdruck bestätigte Voraussagung Nummer 2.

Gestern Abend lungerte ich im Bus, als ein Herr zustieg und sich exakt neben mich setzte, obwohl das Gefährt nahezu leer war. Er roch, als hätte er die letzten 5 Jahre in der Kanalisation verbracht und hielt eine geschlossene Dose Bier in Händen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass er mich unentwegt anstarrte, bevor er mich fragte: „Was geht ab?“

Was bei ihm genau abging, wollte ich nicht wirklich wissen, bei mir tat sich diesbezüglich jedenfalls nix. Er stellte fest, dass ich ruhig weiter auf arrogant machen könnte, diese Sorte Frau kenne er zur Genüge.
Kurz bevor ich soweit war, ihn mit dem Elektroschocker zu bearbeiten, sprengte er seine Bierdose neben mir und „taufte“ mich damit ausgiebigst. Den Rest des Heimweges verbrachte ich nach Bier stinkend, sodass alle Passanten dachten, ich wäre soeben aus irgendeiner zwielichtigen Kneipe gestolpert. Punkt 3 war somit eingetreten.

Da sag noch einmal einer, Wahrsagerei wäre Humbug!!

magische Ostergrüße,

eure

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