Das Wunder der Geburt

Es ist Dienstag und ich habe wieder einmal einen Kontrolltermin im Spital, zum Glück kommt mein Mann mit. Im Spital werde ich wie jedes Mal am CTG angeschlossen und die Herztöne meines Kindes werden überwacht. Es ist schön, das kleine Herzchen zu hören. Nach einer Ewigkeit meint die Hebamme, dass die Herztöne des Babys sehr schlecht sind. Da ich auch noch Schwangerschaftsdiabetes habe und es auch Probleme mit der Nabelschnur gibt, möchte sie gerne die Geburt heute schon einleiten lassen. Sechs Tagen vor dem errechneten Termin. Im ersten Moment bin ich geschockt und etwas verzweifelt. Ich möchte meinem Kind die Zeit, die es braucht, geben,. Ich möchte, dass es von selbst kommt, auf natürlichem Wege. Deshalb einigen wir uns darauf, dass wir zumindest bis Samstag warten und wir erst dann die Geburt einleiten lassen.

 

Stunden des Wartens

Jeden Tag hoffe ich, dass sich mein Zwerg von selbst auf den Weg macht, aber leider will er nicht. Am Samstag in der Früh fahren wir ins Spital und noch immer hoffe ich, dass es jeden Moment losgeht.

Um 8 Uhr bekomme ich die erste Tablette zum Einleiten und ein Zimmer. Keiner weiß, wie lang das Einleiten dauert. Ein paar Stunden? Drei Tage? Ich hoffe, dass ich nicht zu lange im Spital warten muss, es ist langweilig und ich bin nervös. Der Tag vergeht so langsam und ich weiß nicht, was ich machen soll. Die ganze Zeit denke ich an die bevorstehende Geburt. Wird es schnell gehen oder sehr schmerzhaft sein? Mein Mann ist die ganze Zeit bei mir und unterstützt mich. Ich bin ihm dafür so dankbar, ohne ihn würde ich wahrscheinlich durchdrehen. Alle vier Stunden bekomme ich eine weitere Tablette, dazwischen warte ich im Zimmer, gehe spazieren oder esse etwas. Zum Lesen fehlt mir die Geduld. Um 20 Uhr bekomme ich die letzte Tablette. Die Hebamme sieht nach und meint, dass mein Mann ruhigen Gewissens heimfahren könne, heute Nacht werde sich nichts mehr tun. Also verabschiedet er sich um 22 Uhr und verspricht mir, morgen gleich in der Früh wieder zu kommen.

 

Die Fruchtblase platzt

Ich kann einfach nicht einschlafen und wälze mich von einer Seite auf die andere. Dann muss ich auch noch auf die Toilette. Nein! Es ist halb 1 und ich bin hundemüde. Trotzdem hieve ich mich hoch und watschle zum Badezimmer. Plötzlich rinnt mir etwas die Beine hinunter. Na toll, jetzt werde ich auch noch inkontinent und mache mitten ins Zimmer. Richtig peinlich. Ich läute nach der Schwester und gehe zurück ins Bett. Eine Hebamme kommt herein und sieht die Pfütze am Boden. Sie sieht mich an und befielt mir im Bett zu bleiben. Ohne ein weiteres Wort zu sagen verschwindet sie augenblicklich wieder durch die Tür.

 

Schlimmer geht’s immer

Keine zwei Minuten später kommt sie mit einer Ärztin zurück. Diese erklärte mir sachlich, dass nun meine Fruchtblase geplatzt sei und ich nicht mehr aufstehen solle. Oh nein, es geht los. Sofort nehme ich mein Handy und schreibe meinem Mann. Na toll, jetzt kommt wieder das CTG zum Einsatz. Diesmal ist die Ärztin aber nicht so entspannt. Sie erklärt mir etwas panisch, dass die Herztöne des Kindes sehr niedrig seien und sie das Kind so schnell wie möglich holen möchte. Plötzlich sprach sie von einem Notkaiserschnitt und fragte nach, ob ein OP-Raum frei sei. Sofort rief ich meinen Mann an, damit er sich beeile. Es kann doch noch nicht losgehen! Ich möchte auf ihn warten! Warum braucht er nur so lange? Warum muss es nur ein Notkaiserschnitt werden? Die Hebamme versucht mich zu beruhigen. Endlich verbessern sich die Herztöne und ich komme doch in den Kreißsaal. Ich darf eine normale Geburt versuchen.

 

Eine natürliche Geburt

Endlich kommt mein Mann. Ich bin erleichtert, dass ich das nicht alleine durchstehen muss. Ich liege mit dem CTG im Kreißsaal und warte auf die Wehen. Ein Ziehen und Pochen im Rücken, die Wehen beginnen. Langsam kommt eine nach der anderen. Sie sind noch auszuhalten, aber es dauert ewig. Ich bin so müde und möchte unbedingt schlafen. Aber die Wehen werden immer schmerzhafter und mit dem CTG am Bauch ist es auch nicht gerade bequem. Schon wieder muss ich aufs Klo. Also rufe ich nach der Hebamme, die die Kabel vom CTG zwar absteckt, das Gerät aber auf meinem Bauch lässt. Toll. So soll ich also auf die Toilette gehen? Mit diesen ganzen Kabeln im Schlepptau? Komischerweise kann ich aber nicht aufs Klo gehen. Ich verspüre zwar diesen Druck, aber es kommt einfach nichts. Das ist bestimmt das Kind, das auf das Becken drückt. Kann es nicht endlich raus kommen? Ich will nicht mehr.

Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren und konzentriere mich nur noch auf die Wehen. Bei jeder Wehe fallen die Herztöne unseren Kleinen und wir machen uns Sorgen. Mein Mann meint, ich solle bei jeder Wehe tief einatmet. Schon bei der nächsten Wehe fallen die Werte nicht mehr so tief und wir sind etwas glücklicher. Trotzdem öffnet sich der Muttermund keinen Zentimeter weiter. Zwei Zentimeter und das war es. Wie viele Stunden muss ich noch da liegen und das über mich ergehen lassen? Jede Wehe wird schmerzhafter und schlimmer. Es fehlen ja noch 8 Zentimeter!

 

Endspurt

Ich kann und will einfach nicht mehr. Ich will eine PDA oder einen Kaiserschnitt. Egal was, Hauptsache es ist endlich vorbei. Die Hebamme fragt, ob ich vor der Geburt mit dem Anästhesisten über die Narkose gesprochen habe. Als ich dies verneine, wird sie aufbrausend und beschwert sich, dass ich das hätte machen müssen. Woher hätte ich das denn bitte wissen sollen? Außerdem habe ich gerade andere Probleme als ein verpasstes Gespräch mit einem Arzt. Also wird der Anästhesist geholt. In der Zwischenzeit bekomme ich ein leichtes Schmerzmittel und die Hebamme kontrolliert nochmals den Muttermund. Plötzlich meint sie, dass der Muttermund schon bei sechs Zentimeter sei und wir noch zwei bis drei Wehen abwarten. Drei Wehen später ist der Muttermund offen. Aber jetzt fängt es erst richtig an. Die Presswehen sind schrecklich. Bei jeder Wehe vergesse ich zu atmen, ich habe keine Luft, keine Energie mehr. Nach jeder Wehe hält mir mein Mann ein Beatmungsgerät auf den Mund. Nach der vierten oder fünften Presswehe bin ich schon verzweifelt, weil mein Baby einfach nicht raus will. Die Hebamme ermutigt mich und meint, dass man den Kopf schon spüren könne und ich solle es mal versuchen. Und es stimmt! Ich spüre den Kopf! Mit neuer Energie presse ich wieder und wieder. Endlich ist der Kopf draußen. Kurze Verschnaufpause und gleich nochmal. Ein letztes Rumpeln und mein Kind ist auf der Welt. Es ist 6:49.

 

Geschafft

Es wird mir auf die Brust gelegt und ich sehe es mir genau an. Er ist weiß und hat nur auf dem Hinterkopf etwas Blut kleben. Sind alle Finger und Zehen da? Wie sieht sein Gesicht aus? Und plötzlich muss ich lachen. Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Es sieht alles perfekt aus! So wie es aussehen soll. Nach all dem Stress und den Problemen in der Schwangerschaft sieht es auf den ersten Blick so aus, als wäre unser Baby gesund! Der Papa darf die Nabelschnur durchschneiden und bekommt dann das Kind, um es zu wickeln und anzuziehen. Da ich während der Geburt gerissen bin, werde ich genäht. Ich kann dabei etwas entspannen. Doch auf einmal spüre ich etwas ziehen und ein komisches Gefühl und Zack, den letzten Stich spüre ich komplett. Aua! Die Narkose hat nachgelassen. Mit Hilfe werde ich auf ein anderes Bett gelegt. Dabei sehe ich, wie das Geburtsbett nun aussieht. Als wäre dort eine Kuh geschlachtet worden! Schrecklich! So viel Blut! Mit dem neuen Bett werde ich in einen anderen Raum gebracht. Nun können wir unser Glück zu dritt erstmal genießen und das Stillen versuchen. Ich war noch nie so glücklich wie in diesem Moment. Komischerweise bin ich nun auch munter und wieder voller Energie.

eure

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