Dem nehm ich den Knüppel weg

Auch der Kronprinz war mal klein. Eine Geschichte seines kindlichen Leichtsinns und den Schock seines Lebens.

Und es kam, wie es kommen musste….


Als der Lord noch wirklich Kind war, war er im Volksschulalter Mitglied einer bäuerlich-ländlichen „Straßengang“. Vier, immer schmutzige Jungs mit aufgeschlagenen Knien und Ellenbogen, die unzertrennlich waren und jede freie Minute mit Radfahren, Skaten und Fußball spielen verbrachten und der gemeinsamen Meinung waren, dass Mädchen das Uninteressanteste und Allerletzte auf Erden wären. 

Los Banditos

Dieser eine verhängnisvolle Sommer war der Sommer der Wasserpistolen, mit mächtigen Tanks und großer Reichweite. Jeder hatte sie, jeder wollte sie, so auch die berüchtigte Vierer-Bande. 
Eines Tages erzählte mir mein Sohn, sie würden damit auf einer schwach frequentierten Nebenstraße auf vorbeifahrende Autos spritzen, direkt vor der kleinen Polizeiwache, die sich dort befindet.
Ich rief sofort alle 4 Nachwuchs-Banditen zu einer Konferenz zusammen, wo ich sie streng belehrte, dass sie dies ab sofort zu unterlassen hätten, ein Autofahrer könnte sich erschrecken und einen Unfall verursachen, und wenn das ein Polizist aus der nahen Wachstube beobachten würde, würde es große Probleme für sie alle geben.


Sie starrten mich mit Riesenaugen an und mein Sohn, der damals offensichtlich das Leben eines Schurken berauschend interessant fand, erklärte mir vor den bewundernden Blicken seiner Freunde mit kindlicher Naivität, dass er keine Angst vor Polizisten hätte. Die wären auch nur Menschen wie alle anderen, dem würde er „den Knüppel und die Waffe wegnehmen, mit ihm kämpfen und danach flüchten“.
Ich ermahnte ihn nicht solchen Unsinn von sich zu geben und ließ mir versprechen weder auf Autos, noch auf Passanten oder Tiere zu zielen, ansonsten wären die Pistolen Geschichte. Dann entließ ich sie wieder ins Grüne und in ihre kindliche Fantasiewelt.


Bald darauf, ich war gerade mit Kochen beschäftigt, läutete es an der Türe und als ich diese öffnete, sah ich….. einen breit grinsenden Polizisten in voller Pracht, in einer Hand die Wasserpistole meines Sohnes, an der anderen ihn selbst. 
Ich war nie wieder danach so stolz auf meinen Lord wie in diesem einen Moment. Den achtjährigen Sprössling von der verlängerten Hand der Justiz nach Hause eskortiert zu bekommen, erfüllte mich mit nie wieder verspürten Glücksgefühlen.
Der Kleine hatte so verschwollene Augen vom Weinen, dass ich ihn nicht sofort als meinen Sohn erkannte, riss sich vom Polizisten los und rannte laut schluchzend in sein Zimmer.
Der Beamte erzählte mir folgenden Sachverhalt: Er hatte die Nachwuchs-Ganoven bei einem Rundgang beobachtet, wie sie taten, was ich verboten hatte. Als er sich der Gruppe näherte, ließen 3 davon die „Waffen“ fallen und flüchteten, während mein Stammhalter starr vor Schreck und versteinert stehen blieb. Er begann sofort so heftig zu weinen und zu schreien, dass ihn der Beamte nicht mehr beruhigen konnte, worauf er ihn mit auf die nahe Wachstube nahm um ihm dort in Ruhe zu erklären, dass er nichts zu befürchten hätte, dass er aber eben nicht auf Autos zielen sollte. Mein Gangster wäre aber so außer sich gewesen, dass er für keine beruhigenden Worte zugänglich gemacht werden konnte. 


Im Gegenteil. Er verriet UNAUFGEFORDERT die Namen der geflüchteten Komplizen, deren exakte Adresse, Geburtsdaten und Familiengeschichte, gestand dass er schon einmal Türschlösser mit Kaugummi verklebt hatte und seinem wehrlosen Meerschweinchen mal die Augen verbunden hatte.

Er fragte den Beamten weinend mit wie vielen Jahren Haft er zu rechnen hätte, ob es im Gefängnis eine PlayStation gibt, ob er seine Familie jemals wiedersehen würde und ob man in Haft auch manchmal Menüs von BurgerKing serviert bekomme. 


In diesem Sommer verstarb die Karriere des kleinen Lords als Schwerverbrecher, er verließ den Rest der Ferien das Haus freiwillig nur mehr in meiner Begleitung und sein Verhältnis zur Staatsmacht im Allgemeinen blieb gestört. Selbst wenn wir so wie gestern mit dem Auto in eine harmlose Polizeikontrolle geraten, sehe ich sofort die Ehrfurcht in seinen Augen…Und er hört jedes Mal den selben Satz von mir: „Nicht nervös werden, zur Not nimmst ihm halt den Knüppel und die Pistole weg!!“

eure

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