Der Puppenwagen für meinen Sohn

Es ist November und wir sitzen mit meiner Mama im Wohnzimmer. Wir führen eine hitzige Debatte über Weihnachtsgeschenke und wann man diese am besten kaufen sollte. Sie ist der felsenfesten Überzeugung, dass wir die Geschenke jetzt schon kaufen sollen, denn sonst ist alles weg. Okay, nur die großen und tollen Sachen sind dann weg. Trotzdem. Ich finde es noch viel zu früh. Was braucht mein Kind mit 1 ½ Jahren denn überhaupt? Über welche Geschenke würde er sich freuen? Tags darauf plaudere ich mit meiner Schwiegermama und auch sie ist der Meinung, dass man Weihnachtsgeschenke nie zu früh kaufen kann. Im Dezember sind die halben Regale schon leer und vieles kommt vor Weihnachten dann nicht mehr. Ist das wirklich so? Ich bin da eher skeptisch.

Mädchen sind Mädchen und Jungs sind Jungs

Trotzdem lasse ich mich überreden und gehe die Woche darauf mit meiner Mama und unserem Froschi zum ToysRus. Mein Sohn fühlt sich wie im Paradies. Überall Spielsachen und mit allem kann und darf er spielen! Wir finden so viele tolle Sachen und packen alles Mögliche ein. Ich drehe mich um und mein Froschi ist weg. Wo ist er geblieben? Kurzzeitig gerate ich in Panik. Doch dann sehe ich ihn. Er spielt mit einem pinken Puppenwagen und ist davon ganz begeistert. Als ich da stehe und ihn kurz beobachte, bemerke ich schon die verständnislosen Blicke der Menschen um uns herum. Auch wenn niemand ein Wort sagt, verstehe ich sehr wohl, was sie alle denken. Mit einem Puppenwagen spielen nur Mädchen und keine Jungs. Dass er erst 17 Monate alt ist, ist ihnen egal. Deshalb möchte ich ihm den Puppenwagen wegnehmen und mit ihm zu den Rutschautos gehen. Er will ihn jedoch nicht hergeben. Plötzlich fängt er an zu schreien und rennt mit dem Puppenwagen weg. Ich sehe eine Frau, wie sie ihren Kopf schüttelt. Irgendwie fühle ich mich schuldig. Aber warum denn? Was haben ich oder mein Sohn verbrochen? Zum Glück kommt meine Mama um die Ecke und beginnt zu lachen. Sorglos verkündet sie, dass ihr liebes Enkerl anscheinend sein Spielzeug gefunden habe. Gemeinsam suchen wir einen nicht ganz so femininen Wagen aus und finden einen wirklich schönen in hellblau.

Und wie sieht es zu Hause aus?

Zu Weihnachten bekommt er seinen Puppenwagen. Ich bin gespannt, ob er ihn noch immer haben will oder ob ihm nun die anderen Spielsachen lieber sind. Er packt ihn aus und ist ganz begeistert von seinem Wagen. Alle möglichen Sachen packt er ein und fährt damit herum. Sein Kikaninchen, die Autos, die Bohrmaschine und auch seine Bücher werden herumkutschiert. An anderen Tagen setzt er sich lieber selbst hinein und will geschoben werden. Papa beginnt sogar mit ihm im Wohnzimmer zu driften. Und auch Wochen später hat mein Froschi noch einen Riesenspaß mit seinem Puppenwagen.

Kinder sind Kinder

Die Gesellschaft trichtert uns ein, dass Mädchen kleine Prinzessinnen sind, mit Puppen spielen und alles in rosa oder pink bekommen . Jungs sind wild und laut, spielen mit Autos und mögen Farben wie grün und blau. Von Geburt an werden Kinder beeinflusst und in dieses Rollenbild gedrängt. Diese Farbauswahl lässt sich bei der Kleidung, den Hygieneartikeln, dem Spielzeug und sogar den Möbelstücken wiederfinden. Rosa Überraschungseier, pinke Prinzessinnen-Sessel und Barbiepuppen für die Mädchen und Hot Wheels und Cars-Sessel für die Jungs. Mädchen sollen führsorglich sein und gute Mütter werden und Jungs müssen stark sein und dürfen niemals weinen. Als Elternteil hat man da fast keinen Ausweg.

Anfangs folge ich diesem Trend noch, doch schon bald merke ich, dass ich dies eigentlich gar nicht möchte. Kinder ahmen die Bezugspersonen nach. Da ich unterwegs immer eine Handtasche trage, will mein Kind das natürlich auch machen. Eines Tages sucht er sich seine eigene Handtasche. Plötzlich steht er vor mir mit der Packung der Feuchttücher und trägt sie wie eine Handtasche auf seiner Hand. Der Anblick ist so süß und ich muss schmunzeln.

Man sollte Kinder nicht in ein vorgefertigtes Schema zwingen, sondern sich frei entfalten lassen. Jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Persönlichkeit, eigene Hobbies und einen eigenen Charakter. Ist man ein schlechterer Mann, nur weil man gerne tanzen geht und die Farbe Rot mag? Ist man eine schlechte Frau, weil man lieber Fußball spielt und keine Puppen mag? Jeder sollte tun dürfen, was ihm Spaß macht und wozu er Lust hat.

In diesem Sinne: Genießt euer Leben und macht, worauf ihr Lust habt! 🙂

eure

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