Die Bedeutung der Peergroup auf dem Weg zum Erwachsenwerden

Peergroups, also eine Gruppe Gleichaltriger, spielen eine wichtige Rolle im Leben eines Kindes. Die Identifikation mit der Gruppe und das Ablösen von den Eltern werden immer wichtiger.

Peergroup – Was ist das?

In der Welt eines Kindes kontrollieren die Erwachsenen die vorhandenen Ressourcen (Spielzeit, Nahrung, Verbote und Gebote,…). Somit stellt sich eine asymmetrische Beziehungsebene zwischen Erwachsenen und Kindern dar, wo die Kinder stets untergeordnet sind. Bei ihren Altersgenossen hingegen sind sie sozial gleichgestellt, eine gleichrangige Beziehungsebene ergibt sich. (vgl. JOAS, 2007, S. 151ff)
Diese Beziehungen beruhen auf Freiwilligkeit. Eine Gruppe junger Menschen mit gleichen Normen und Werten, Wünschen und Zielen, aber auch Ängsten findet sich zusammen. „Gleichheit“ oder „gleich“ ist auch die eigentliche Bedeutung des amerikanischen Wortes „peer“.  Abgeleitet wird es vom lateinischen Wort par (= gleich), welches sich nicht ins Deutsche übersetzen lässt.

Einige Forscher schätzen den Einfluss einer Peergroup sogar stärker ein, als den der Eltern, der Familie oder der Schule. Die Peergroup ist somit ein entscheidendes Sozialisationsfeld: ein Ort der Selbstsozialisierung.
Will man nun eine Definition wagen, könnte diese wie folgt lauten:

 „Eine Peergroup ist eine Gruppe gleichaltriger Menschen, die sich auf freiwilliger Basis zusammenfinden. Die ungefähre Gleichheit der Personen bezieht sich auf das Alter, den Rang, den Status und den Stand der Persönlichkeitsentwicklung. Die Peergroup ist neben Familie und Schule ein wichtiger Ort der Sozialisation. Es ist eine Zeit, in der sich Jugendliche bestimmten Entwicklungsaufgaben stellen müssen.“
(vgl. KLATT, 2007, S. 2)

 

Welchen Einfluss hat die Peergroup?

Prozesse wechselseitigen Aushandelns prägt die Sozialisation in der Peergroup. Die Kinder bringen Verhaltensformen und Vorstellungen mit, die sie zu Hause gelernt haben.
In der Gruppe hingegen werden sie mit Alternativen konfrontiert. In der Gruppe wird verhandelt, was fortan gelten soll, um gut miteinander auszukommen. Dies setzt emphatisches Einfühlungsvermögen voraus.
Um gemeinsam erfolgreich zu sein, muss man die Rollen anderer verstehen und eigene Sichtweisen mit denen der anderen kombinieren. (vgl. ABELS, 2009, S. 264) Desweiteren setzt der Umgang miteinander voraus, dass sich die Kinder als „gleich“ betrachten, also auf einer Ebene miteinander stehen.
Außenstehende und Erwachsene haben manchmal das Bild einer Disharmonie, es wird gezankt und gestritten, dennoch sollte man nicht eingreifen, denn dies würde verhindern, dass die Richtigkeit des Lösungsansatzes so ohne Weiteres akzeptiert wird, als wenn sie ihre Entscheidungen selber treffen. Die Kinder verinnerlichen somit ein Fülle von Überzeugungen, Normen und Werten, unter anderem das Konzept der Freundschaft und das damit implizierte Verhalten. Diese Vorstellungen verwenden sie als Richtwert für ihr eigenes Verhalten, sowie als Maßstab für das Verhalten anderer.  (vgl. JOAS, 2007, S. 152) Gleichheit ist also das „regulative Prinzip“ der Peergroup.

 

Auch KRAPPMANN (1991, S. 355) konnte dies in seinen Forschungen beobachten:

„Die Sozialwelt der Kinder bringt einen neuen Moment in den Aufbau einer autonomen, sozial handlungsfähigen Persönlichkeitsstruktur, denn der sozialisatorische Beitrag der Kinderinteraktion kann sich nicht auf Erfahrung, Vorbild und Belehrung stützen, sondern in der Kinderwelt konfrontieren sich relativ Gleiche mit ihren Erwartungen und Absichten und stehen vor der Aufgabe, ihre Sichtweisen und Vorhaben wechselseitig zu koordinieren. (…) In ihren Bemühungen um eine gemeinsame Handlungslinie erfahren die Kinder, welche Vorgehensweisen, Behauptungen, Beweise, Regeln, in diesem Prozess der Situationsdefinition und Handlungskoordination taugen.“

 

 

Die Peergroup als Ort des sozialen Lernens

Soziales Lernen findet nicht nur im Beisein der Lehrkräfte und der Eltern statt, sondern auch auf der Ebene der kindlichen Eigenwelten. Kinder sind zwar darauf angewiesen, dass man ihnen geeignete Rahmenbedingungen schafft;  dazu gehört auch eine stabile Beziehung zu Erwachsenen. Man sollte sich aber von dem Gedanken verabschieden,  dass sie nur durch Erwachsene sozial lernen können.
Die Bedeutung der Peergroup ist mindestens gleichwertig, wenn nicht noch höher einzustufen.
(vgl. HEIMLICH, 2001, S. 153)

Die Peergroup bietet im Idealfall eine Gleichberechtigung am Lerngeschehen für alle Teilnehmer. Jedes Mitglied einer Peergroup profitiert vom Lernfortschritt seiner Teammitglieder. Durch gegenseitiges Interagieren werden die Sichtweisen der Mitglieder aufgezeigt, verstanden und ernst genommen. Somit steht Empathie als Schlüsselqualifikation im Vordergrund bei der Vermittlung sozialer Kompetenzen. (vgl. BRUNKEN, 2007, S. 12ff)

Die Eltern sollten ihren Kindern bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben helfen und verstärkt gesellschaftliche Defizite, wie Kommunikation oder Interaktion, aufgreifen. Das heißt also, soziales Lernen sollte nicht nur einzelne Aspekte herausnehmen, sondern eine möglichst ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. (vgl. NAGL, 2000, S. 167ff)

 

Literatur

  • ABELS, Heinz: Einführung in die Soziologie: Band 2: Individuen in ihrer Gesellschaft, Springer DE Verlag, 2009
  • BRUNKEN, Jorid: Was ist guter Sportunterricht?: Analyse pädagogischer Leitvorstellungen aus Schülersicht, Grin Verlag, 2007
  • HEIMLICH, Ulrich: Einführung in die Spielpädagogik, Julius Klinkhardt Verlag, 2001,
  • JOAS, Hans: Lehrbuch der Soziologie, Campus Verlag, 2007
  • KLATT, Sabine: Formen und Funktion von „Peer Groups“, Grin Verlag, 2007
  • KRAPPMANN, Lothar: Sozialisation in der Gruppe der Gleichaltrigen, Beltz Verlag, 1991
  • NAGL, Erwin: Pädagogische Jugendarbeit, Beltz Juventa Verlag, 2000

 

Ich hoffe, dieser Artikel hat euch gefallen und hilft euch, eure Kinder und den Einfluss von Freunden besser verstehen zu können.

 

eure

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