Die große Enttäuschung der 3-Monats-Spritze

Ich sitze im Warteraum bei der Frauenärztin und bin nervös. Vor über sieben Wochen habe ich entbunden und noch immer habe ich starken Wochenfluss. Hoffentlich hat sich alles schön zurück entwickelt. Ich werde aufgerufen und gehe in den Ordinationsraum. Nach der Untersuchung erklärt mir meine Ärztin, dass sich alles schön zurückgebildet hat. Wegen des Wochenflusses solle ich mir keine Sorgen machen, das dauert bei manchen länger, bei anderen kürzer. Ich bin erleichtert. Nun kommt es zum Thema Verhütung: Welche Verhütung nehme ich?

Zwei Möglichkeiten stehen mir zur Verfügung. Stillpille: Diese muss ich jeden Tag zur selben Zeit nehmen. Schaffe ich das? Ich habe ja noch nicht mal einen Rhythmus im Alltag gefunden. 3-Monats-Spritze: Einmal alle drei Monate muss ich zur Ärztin und bekomme eine Spritze. Beide Varianten kommen in Frage. Meine Ärztin ist von der Spritze sehr begeistert und meint, dass diese Verhütung sehr gerne genommen wird, da man nicht immer daran denken muss. Außerdem hört damit die Blutung auf und die meisten Frauen haben dann keine Periode mehr. Die Spritze klingt echt interessant und toll, also nehme ich die 3-Monats-Spritze.

Der Effekt bleibt aus

Zwei Wochen später habe ich noch immer den Wochenfluss. Also gehe ich nochmals zur Ärztin und bekomme Tabletten verschrieben. Außerdem soll ich viel trinken und schauen, dass ich viel Eisen zu mir nehme. Nach drei Tabletten ist die Blutung vorbei. Juhu! Ich freue mich. Zwei Tage später kommt der Wochenfluss zurück. Toll… Zu früh gefreut. Langsam verzweifle ich. Warum höre ich nicht auf zu bluten? Passt wirklich alles? Nochmals gehe ich zur Ärztin. Komischerweise erläutert sie mir, dass dies oft passiert und ich nun eine zweite Spritze bekomme, dies muss helfen. Schon nach einem Monat bekomme ich die zweite Spritze? Sorgen mache ich mir, da ich meinen Sohn voll stille. Laut der Ärztin ist dies egal.

Die Erlösung

Nachdem ich nun schon zwölf Wochen blute, fahre ich nun ins Spital. Irgendetwas muss ich doch tun. Vor allem, weil wir in ein paar Tagen nach Kroatien in den Urlaub fahren und ich das vorher geklärt haben möchte. Bei der Anmeldung bekomme ich einen Zettel mit, den ich mir während dem Warten durchlesen und unterschreiben soll. Etwas verwirrt lese ich ihn mir durch. Da steht etwas von Ausschabung und einer Operation. Was? Warum wollen die das machen? Bei den Risiken steht, dass es passieren kann, dass ich danach nie wieder ein Kind bekommen kann. Ich bin geschockt. Angespannt gehe ich in den Untersuchungsraum. Der Arzt beruhigt mich und meint, dass ich morgens und abends ein Parkemed nehmen soll, da dies Bluthemmend ist. Sobald die Blutung vorbei ist, soll ich auch sofort wieder mit den Tabletten aufhören. Gesagt getan, zwei Tage später ist der Wochenfluss weg. Endlich!

Angenehme Zeit

Die nächsten 16 Monate verfliegen wie im Flug. Ich genieße die Zeit mit meinem Sohn und lebe einfach so in den Tag hinein. Alle drei Monate gehe ich zur Frauenärztin und hole mir die 3-Monats-Spritze. Die ganze Zeit über habe ich kein einziges Mal meine Menstruation. Immer wieder fühle ich mich, als würde mir etwas fehlen. Meine Sorgen und Zweifel nimmt meine Frauenärztin leider nicht wirklich ernst und meint, ich solle mich freuen und das Leben genießen.

Kinderwunsch

Mein kleines Froschi wird immer größer und älter. Er kann nun schon so vieles und ist einfach kein Baby mehr. Manchmal vermisse ich die Zeit, als er noch so klein und hilflos war. Und plötzlich wächst in mir der Wunsch nach einem zweiten Kind. Bei meinem Mann dauert es noch länger, da wir gerade ein Haus bauen und er viel zu tun hat. Jede freie Minute ist er auf der Baustelle. Doch als wir im Advent mehr Zeit miteinander verbringen und auch öfter auf Adventmärkte gehen, steigt in ihm auch der zweite Kinderwunsch. Noch ca. drei Monate, bis wir endlich im Haus wohnen und der Stress vorbei ist. Also beschließe ich, mit der Spritze aufzuhören und gar nicht mehr zu verhüten.

Große Enttäuschung

Ungefähr drei Wochen später habe ich Bauchschmerzen und Krämpfe, richtige Regelschmerzen. Doch auch nach zwei Wochen Schmerzen kommt keine Periode. Auch wenn ich normalerweise nur ungern das Internet bei solchen Fragen verwende, forsche ich doch etwas nach und siehe da, es gibt unzählige Frauen mit ähnlichen Problemen. Kurz zusammengefasst: Keine Frau kann die 3-Monats-Spritze empfehlen, schon gar nicht bei neuerlichem Kinderwunsch. Es dauert meist ein Jahr, bis die Periode wieder anfängt und dann nochmals Monate, bis zur Schwangerschaft. Deshalb besuche ich wieder einmal meine Frauenärztin. Sie untersucht mich und meint, dass meine Eierstöcke noch tief und fest schlafen und diese Schmerzen wahrscheinlich ein Anzeichen dafür sind, dass sie langsam aufwachen. Aber von der Menstruation ist weit und breit noch nichts zu sehen. Sie fragt mich, ob ich noch stille und meint dann, dass ich vermutlich nicht schwanger werden könne, solange ich noch stille. Laut ihr hat die Natur es so eingerichtet, dass der Körper nur eines von beiden kann: ein Baby austragen oder Milch produzieren. Dann frage ich, wann meine Periode wieder kommt und erzähle ihr von meinen Internetrecherchen. Die Bedenken wischt sie sofort beiseite und schiebt das Ausbleiben meiner Menstruation auf das Stillen. Die einzige Lösung wäre, dass ich abstille und sie mir dann die Pille verschreibt. Nach ca. 2 Monaten könne ich die Pille wieder absetzen und hätte wieder meine Periode. Als ich erkläre, dass ich eigentlich nicht abstillen möchte, erwidert sie, dass mein Sohn doch eh schon fast 20 Monate alt ist und schon viel zu alt für das Stillen sei. Ich bin sprachlos und verwirrt. Muss ich nun wirklich abstillen? Mein Froschi liebt es und auch ich finde es wunderschön. Er trinkt doch nur noch abends beim Schlafengehen und in der Nacht. Aber nur wegen einem zweiten Kind abstillen? Ist das nicht dem ersten Kind gegenüber unfair? Enttäuscht gehe ich nach Hause und suche Trost bei meinem Mann. Wir beschließen, dass ich weiterhin stille und wir den Rest einfach dem Zufall überlassen. Verhüten werde ich nicht mehr, aber ich werde meinem Kind auch nicht die geliebte Muttermilch entziehen. Ganz unter dem Motto: Die Natur wird es schon regeln, werden wir unser Leben zu dritt genießen. Wir haben ja zum Glück keine Eile mit dem zweiten Kind.

eure

PS: Über ein „Gefällt mir“ auf unser Facebookseite würden wir uns natürlich auch sehr freuen 🙂


 

2 Gedanken zu „Die große Enttäuschung der 3-Monats-Spritze

  1. Hallo, ich konnte garnicht glauben, dass das einer neuer Post ist. Das gleiche hat sich nach der Geburt meiner ältesten Tochter abgespielt. Die gleichen Argumente meiner Ärztin und meine Entscheidung für die Spritze, weil ich stillte und den Alltag mit Baby noch nicht im Griff zu haben glaubte. Nach der Spritze bekam ich noch mal heftige Blutungen, sogenannte Abruchblutungen. Nach 6 Monaten setzte ich die Spritze aus persönlichen Gründen ab. Danach bekam ich aber meine Tage nicht, sondern nur Schmierblutungen. Meine Regel setzte erst 9 Monate nach Absetzen der Spritze ein. Drei Monate danach war ich wieder schwanger. Zudem Zeitpunkt wurde meine 18 Monate alte Tochter noch 2 mal täglich gestillt. Was mich an deinem Beitrag am meisten schockt, ist, meine Geschichte ist schon 12 Jahre her. Meine Tochter ist 2003 geboren und nach der Geburt meiner zweiten Tochter 2005 kam eine Minipille mit reinem Gestagen auf den Markt, die auch mit leichten Abweichungen genommen werden konnte. Ich hätte nicht gedacht, das Frauen immer noch so beraten werden. Das Stillen hat meist nur Auswirkungen, solange man sehr häufig am Tag stillt. Lasse dich nicht beirren, alles Gute und das es bald klappt mit dem zweiten Kind. Iris

    • Vielen Dank für deine netten Worte.
      Ja, die Spritze wird leider noch immer Frauen empfohlen. Ich bereue es, sie genommen zu haben. Es ist merkwürdig, wenn man nie seine Periode hat und ich hoffe, bei mir dauert es auch nur ein paar Monate. Leider habe ich erst vor kurzem im Internet recherchiert und habe erfahren, dass sehr viele Frauen Probleme mit der Spritze haben. Oft dauert es Monate bis zu 2 Jahre, bis die Periode wieder einsetzt. Und dann noch ein paar Monate, bis man dann endlich schwanger ist. Das ist schrecklich. Ich verstehe nicht, warum die Spritze immer noch verwendet wird. Warum wird sie nicht verboten?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.