Die Hoch-Zeit der Liebe – So antworte nun mit JA

Als ich gestern im Schrank kramte, fiel mir mein 20 Jahre altes Hochzeitsalbum entgegen und ich öffnete es seit Ewigkeiten wieder einmal. Ich starrte fassungslos auf die Bilder, als der Lord und Lady BigMac mir über die Schulter blickten und herzhaft zu lachen begannen. 
Du siehst heute ja jünger aus als damals„, rief der Lord und klopfte sich laut brüllend auf die Schenkel.

 

Gut, ich muss gestehen… Die Fotos sind echt Hardcore. So richtig.
Ich war ja kein besonders hübscher Teenager, stark übergewichtig und so blind, dass meine Brillen Panzerglas-ähnlich waren. Wenn mein Vater von den irgendwann stattfindenden Hochzeiten seiner Kinder sprach, wurde ich nie erwähnt, weil er wahrscheinlich annahm, ich würde ohnehin übrig bleiben.

Das Erstaunen war also bei allen riesig, als ein gutaussehender sportlicher Jüngling um mich warb. Damals konnte ich die Frage meiner Freundinnen, wie ICH zu IHM gekommen wäre, nie verstehen. Heute, mit genügend Abstand betrachtet, war sie mehr als berechtigt.

Die Hochzeit selbst allerdings übertraf jede höchstmögliche Schreckensvision. Auf den Fotos, die das Brautpaar zeigen, fragt man sich, welche alte Dame da neben dem Bräutigam steht, obwohl ich Mitte Zwanzig war. Die Großmutter? Eine Erbtante?

Der Familienrat beschloss damals, dass Tante Lisbeth mein Styling übernehmen sollte.
Sie war damals schon so alt, dass sie ihr Testament rund um die Uhr bei sich trug, für den jederzeit möglichen Fall ihres Ablebens.
Sie schickte mir ihre Haus-und-Hof Friseurin, die mir einen Haarschnitt verpasste, mit dem man nicht mal beerdigt werden möchte. Der Pony auf meiner Stirn sah aus, als wäre er von einer Kanal-Ratte abgenagt worden und sie steckte mich in ein blaues Alt-Weiber-Kostüm, für das man heutzutage hundertprozentig sofort die Todesstrafe erhalten würde, würde man es in der Öffentlichkeit tragen.

Am Tag der Vermählungsfeier wurde nicht ich entführt, sondern mein Mann. Weil er ewig weg blieb, vermute ich heute, dass seine Freunde verzweifelt versuchten zu retten, was noch zu retten ist. Sie beschworen ihn bestimmt, die soeben geschlossene Ehe noch in dieser Nacht annullieren zu lassen.

 

Und der wahre Grund warum mein Vater beim Essen in dieser Nacht mit riesigen Mengen an Bargeld in den Taschen neben mir saß, fällt mir heute wie Schuppen von den Augen: Es war mit Sicherheit das Bestechungsgeld für den Frischvermählten, der in Anbetracht meines Aussehens an diesem Tag niemals freiwillig das JA-Wort gehaucht hätte.

 

Auch die Hochzeitsnacht wurde nicht so vollzogen, wie es das Gesetz verlangt, weil der Bräutigam von den Gästen dermaßen abgefüllt wurde, dass er nicht mal mehr seinen Vornamen aussprechen konnte. Was ebenfalls absolut nachvollziehbar ist, wenn ich mich auf den Bildern betrachte.

Nun, im Laufe der Jahre kehrte sich einiges um, ich bekam Kontaktlinsen und sah halbwegs menschlich aus, während er Haare verlor. Ich wurde 30 Kilo leichter, die er schwerer wurde.
Dennoch ist er noch heute ein wichtiger Weggefährte für mich, denn das Opfer das er damals brachte, verpflichtet mich bis zu meinem letzten Atemzug zu absoluter Dankbarkeit und diese Bilder sind auf ewig der Beweis dafür.

 

eure

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Beitragsbild: Pixabay

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