Die Punktlandung meines Prinzen auf dieser Erde

Diesmal gibts meinen Geburtsbericht. Hallo, kleiner Prinz ūüôā


Bei der letzten Untersuchung, 4 Wochen vor der Geburt,¬†hatte man mir prognostiziert, dass mein Lord sicher fr√ľher als zum errechneten Termin kommen w√ľrde, w√§re er doch schon √ľberdurchschnittlich gro√ü. Mir wurde nahegelegt, viel Bewegung zu machen und Treppen¬†zu steigen, dann h√§tte ich in den n√§chsten Tagen bereits mein Baby in den H√§nden.

Diesem Befehl folgend, wanderte ich Kilometer um Kilometer durch die Ortschaft und verbrachte keuchend Stunden im Treppenhaus. Ohne Erfolg. Der Lord blieb wo er war und machte keinerlei Anstalten, sich auf den Weg zu machen.

Der Geburt selbst sah ich relativ gelassen entgegen, was konnte mich da schon √§ngstigen? Ich war √ľberzeugt, die Schmerzen souver√§n und tapfer¬†erdulden zu k√∂nnen.¬†Ich w√ľrde in die Geschichte eingehen¬†als die erste Geb√§rende, die w√§hrend der gesamten Wehenphase l√§chelnd und √ľber jeden Schmerz stehend¬†ausharrte. So meine Vorstellung.

Exakt am errechneten Geburtstermin platzte die Fruchtblase. Ich wurde ins Krankenhaus transportiert, wo man mich sofort an den Wehentropf hängte.

Na dann….los geht’s. Bei den bald auftretenden ersten¬†Schmerzen f√ľhlte ich mich in meiner √úberzeugung best√§tigt √ľbermenschlich zu sein. Nicht ahnend, dass dies erst gesch√§tzte 2 Prozent des zu Erleidenden war, sa√ü ich grinsend und siegessicher im Krei√üsaal, w√§hrend in den R√§umen neben mir Leidensgenossinnen br√ľllten, fluchten und schrien. Meine G√ľte, wie kann man denn nur so wehleidig sein…?!

Nach einer Stunde grinste ich nicht mehr. Die Schmerzen waren wesentlich heftiger und mein Mann an meiner Seite begann mich zu nerven. Er redete ohne Luft zu holen¬†unentwegt auf mich ein, tupfte mir st√§ndig die Stirn ab und irgendwie w√ľnschte ich ihm bei jeder Wehe eine Gratisbehandlung mit einem Elektroschocker, damit er ann√§hernd leiden, musste wie ich es tat.

Irgendwann kam der √ľberwachende Arzt mit der Hebamme und beide meinten,¬†dass es noch ewig dauern w√ľrde, und sie mal gem√ľtlich zum Mittagessen gehen w√ľrden.

 

Wie…. Mittagessen? Und ich? Die Ungerechtigkeit der gesamten Welt st√ľrzte auf mich ein.

War das bitte fair? Dass sie sich relaxt ein 3-G√§nge Men√ľ genehmigten, w√§hrend ich hier vor mich hin starb?

 

Nach einer weiteren Stunde wars dann endg√ľltig vorbei mit meiner Fassung. Schreien war irgendwie nicht machbar, weil mein Mund so ausgetrocknet war, dass ich keinen Ton von mir geben konnte. Mein Mann¬†sprach auch nicht mehr, blass und √ľberfordert, kreiste¬†er st√§ndig nerv√∂s um mein Bett herum. Ich bef√ľrchtete, dass er demn√§chst in Ohnmacht fallen w√ľrde.

Ich betete zwischen den Wehen, dass er wenigstens so fiel, dass er nicht das gesamte medizinische Inventar des Raumes demolierte, was mit ziemlicher Sicherheit eine Klage des Krankenhauses nach sich ziehen k√∂nnte. Ich w√ľnschte mir eine Vollnarkose, ein Wegbeamen in eine andere Dimension, eine Bewusstseinsver√§nderung… egal was, Hauptsache diese Schmerzen endeten.

Selbstverst√§ndlich war mir bewusst, dass ich f√ľr all das reich belohnt werden w√ľrde, aber am H√∂hepunkt jeder Wehe war mir das kein wirklicher Trost, sondern ich sah in diesen Momenten mein gesamtes bisheriges Leben an mir vor√ľberziehen und hatte teilweise das Gef√ľhl „das Licht“ ¬†in weiter Ferne zu erblicken.

Irgendwann veränderte sich der Schmerz auf eine Weise, der mir instinktiv bewusst machte, dass es gleich soweit war.

 

„Das Kind kommt“, wimmerte ich.

„Nein, du hast doch geh√∂rt was der Arzt sagte, das dauert noch ewig“, entgegnete mein Mann.

„Wenn ichs dir doch sage !!! Mach was….. hol jemanden!!!“, fauchte ich zur√ľck.

„Jetzt nicht, die sind doch beim Mittagessen…“, seufzte er zur√ľck und streichelte mir √ľbers Haar, als w√ľrde dies die Geburt ¬†hinausz√∂gern, bis Herr Doktor mit dem Dessert fertig war.
Die folgenden hysterisch gebr√ľllten¬†Worte, die ich dann benutzte, m√∂chte ich hier¬†nicht detailliert beschreiben, sie waren allerdings definitiv so massiv, dass er Hilfe holte.

 

 

Die benachrichtigte Schwester schlurfte gem√ľtlich zu meinem Lager, untersuchte mich, bekam einen knallroten Kopf und rannte aus dem Raum, um gleich danach eilig mit Unterst√ľtzung einer √Ąrztin zur√ľckzukehren. Hektisch war¬†allen bewusst geworden, dass es wirklich soweit war. Ich gab mein Bestes um all den Anweisungen genauestens nachzukommen und freute mich unbeschreiblich darauf, mein Kind gleich in meinen Armen zu halten.

„Wie soll er denn hei√üen?“, fragte mich die Schwester und ich h√∂rte zu meinem absoluten Entsetzen wie mein Mann einen Namen nannte, von dem er wusste, dass er nicht mein Favorit, sondern nur zweite Wahl war. Und so begannen wir noch w√§hrend der Presswehen eine hei√üe Diskussion, die ich gewann, weil ich ihn mit dem¬†zugegebenerma√üen unfairen, aber wirkungsvollen Satz „Bitte, mach mir die Freude, nach all meinen Schmerzen„, manipulierte.

 

Und dann hielt ich ihn in meinen Armen. Meinen Kronprinzen mit meinem Wunschnamen.
4390 Gramm schwer und 54cm groß.

Ich empfand sofort, was jede Mutter empfindet: Eine Liebe, die weder in Worte zu fassen ist, noch jemals endet.

___

eure

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Beitragsbild: Tiny Toes 

6 Gedanken zu „Die Punktlandung meines Prinzen auf dieser Erde

  1. Ich zerkugel mich so √ľber deine Erz√§hlungen…einfach nur Mega!!!
    Und dieses Erlebnis k√∂nnte ich fast 1:1 √ľbernehmen …inklusive der namensdiskussion (allerdings bei der Anmeldung am Standesamt…ich bin heute noch dankbar das die beiden Damen dort die Dokumente nochmals f√ľr mich ge√§ndert haben ).
    Ich hoffe noch viele Geschichten von dir zu lesen!!

    • Geschichten, die das Leben schreibt und die wir alle kennen. Ich freue mich sehr, wenn sie Dir gefallen und w√ľnsche dir noch einen sch√∂nen Abend ūüôā

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