Die Sprachentwicklung von Kindern

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Die spannende Reise der Sprachentwicklung von Kindern

Dieser Inhalt stellt einen Auszug meiner Mitschrift aus der Vorlesung Entwicklungspsychologie dar, PH NÖ.

Was ist Sprache?

Sprache bedeutet auditive Reize wahrnehmen und verarbeiten können. Reifungs- und Lernprozesse wirken von Anfang an zusammen. Auch taubstumme Kinder beginnen zu sprechen, aber da sie keine akustischen Rückmeldungen erhalten, hören sie irgendwann wieder auf damit.

Sprache bedeutet „Feinmotorik“, weshalb zwischen allgemeiner Motorik des Bewegungssystems und der Geschicklichkeit der Mund- und Zungenmuskulatur ein enger Zusammenhang besteht. Sprache entwickelt sich gleichzeitig mit dem Denken und dem Gedächtnis.

 

SPRACHENTWICKLUNG IM ÜBERBLICK

Schreilaute: Das Neugeborene stößt seinen ersten Schrei nach der Geburt aus und  säubert damit seine Lungenbläschen vom Schleim. Sehr rasch setzt der Säugling sein Schreien differenziert ein. Das Schreien des Kindes ist für die Mutter ein Schlüsselreiz, sodass sie meist instinktiv richtig das Schreien ihres Kindes interpretiert (ob es Hunger, Schmerz, Unlust… ausdrückt).

Lallsprache: Ca. ab dem 4. LM kommen neben den Schreiketten, weiche, gurrende Laute (die in allen Sprachen enthalten sind) hinzu. Die Art und Häufigkeit der Lautäußerungen sind umweltabhängig!

 

Je mehr mit dem Kind gesprochen wird, je mehr man sich ihm zuwendet, umso mehr sprachliche Äußerungen gibt es von sich. Kinder ahmen die Intonation der Personen seiner Umgebung nach und reduzieren ihre Laute allmählich auf die Laute ihrer Muttersprache (hier wird sehr deutlich der Lernprozess sichtbar). Da die Umwelt bei sinnvollen Lautäußerungen (z. B. produziert das Kind rein zufällig die Aneinanderreihung der Laute „ma-ma“) mit Freude reagiert, wird das Kind positiv verstärkt und häufiger solche Lalllaute aneinander reihen.

 

Einwortsatz: Ab dem Ende des 1. Lebensjahres lösen sich die Kinder allmählich vom aktuellen Kontext, was einen qualitativen Sprung bedeutet. Diese Einwortsätze haben Signal- und Symbolcharakter! Besonders ab dem 17. Lebensmonat steigt die Anzahl der Wörter rasch an.

Zweiwortsatz: Nach dem 2. Geburtstag verknüpfen Kinder Subjekt und Prädikat oder Subjekt und Objekt, sie setzen Begriffe zueinander in Beziehung und drücken mit zwei Worten ein Geschehen aus.

Beispiel: „Mama Ball“ kann mehrere Bedeutungen haben: „Schau ein Ball“ „Ich will den Ball haben“

 


Der PASSIVE WORTSCHATZ ist immer viel größer als der AKTIVE, denn Kinder erfassen Kontexte, auch wenn sie selbst diese noch nicht bezeichnen können. Daher ist es wichtig, dass in grammatikalisch richtigen Sätzen mit dem Kind gesprochen wird. Das Kind führt gerne Selbstgespräche. Diese sind Vorläufer des inneren Dialogs, mit dem das Kind später sein Handeln lange Zeit begleiten wird. Mit dem Spracherwerb bekommen die Kinder ein Bewusstsein vom eigenen ICH.


 

Fragealter: Etwa mit 2,6 Jahren beginnt das Kind seine Umwelt mit der berühmten Frage zu löchern: „Was ist das?“ Das Kind lernt durch dieses Frageverhalten etwa 100 Wörter pro Monat. Natürlich hängt der Wortschatzzuwachs davon ab, wie intensiv die Umwelt auf das Kind eingeht. Wird ihm nicht geantwortet, hört es allmählich auf zu fragen, seine Sprache verarmt!

 

Dreiwortsatz – Mehrwortsatz: Im 3. Jahr werden drei und mehr Wörter aneinandergereiht, allerdings nicht in grammatikalisch richtiger Reihenfolge. Zuerst wird ein so genannter „Worthaufen“ (Ich Garten gehen) produziert, dann kommt es zu Wortabwandlungen sowie zu Analogiebildungen mit Wortneuschöpfungen (Nasenputzer = Taschentuch).

Frühlaute werden von Spätlauten (r,s,sch,x,ch,k,gs,z,tz…) unterschieden. Oftmals ersetzt das Kind Spätlaute durch Frühlaute („Ludi“ statt „Rudi“) oder lässt Spätlaute einfach aus („ad“ statt „Rad“). Auch wenn es die Wörter selber noch nicht richtig aussprechen kann, merkt es sehr wohl Fehler bei anderen – „Fis – Phänomen“!

Das Kind denkt im 3. Lebensjahr noch laut, allmählich verlagert sich aber sein Sprechen nach innen.

 

Erstes Fragealter: Im 4. Lebensjahr beginnt das Kind alles mit der Frage „Warum?“ zu erkunden. Nun hängt es sehr von der Sprachqualität seiner Umwelt ab, wie sich das Kind sprachlich weiter entwickelt. Einerseits lernt das Kinder sehr viel durch so genannte

REFORMULIERUNG (wenn das Kind z.B. zur  Mutter sagt: „Gib mir einen Apfel“ und die Mutter antwortet: „Gib mir bitte einen Apfel“, so wird das Kind allmählich die freundlichere Variante wählen).

Werden dem Kind häufig umfassende Antworten gegeben, so wird sein Wortschatz sehr ansteigen, das Kind wird sich gewählt ausdrücken können.

 

Man  unterscheidet zwischen dem:
ELABORIERTEN SPRACHCODE: wird dem Sprachgebrauch gebildeter Schichten zugeordnet. Basil Bernstein argumentiert mit dieser Kategorisierung, dass der Gebrauch des Codes eng mit der sozialen Struktur einer bestimmten Kultur verbunden ist.
kurz: explizite Sprache, höherer Wortschatz, viele Adjektive

RESTRINGIERTEM  SPRACHCODE: wird dem Sprachgebrauch bildungsferner Schichten zugeordnet. Er ermöglicht es dem Sprecher mit wenig Worten, viel auszudrücken.
kurz: Dialekt, einfache Grammatik, einfache kurze Sätze, falscher Gebrauch von Fällen, geringer Wortschatz, wenige Adjektive

 

Ab dem 5. Lebensjahr kann sich das Kind grammatikalisch richtig ausdrücken. Wünsche äußern, Fragen stellen und beantworten.

 

6. Lebensjahr – Schuleintritt:

Das Kind ist nun kommunikationsfähig! Sein aktiver Wortschatz beträgt ca. 2500 Wörter, sein passiver Wortschatz ca. 23700 Wörter. Allerdings gibt es große Unterschiede, je nachdem wie gut und wie oft sich Erwachsene mit dem Kind sprachlich auseinandergesetzt haben.

 

Ihr seht also, die Umwelt beeinflusst maßgebend die Sprachentwicklung eurer Kinder. In diesem Fall kann man sagen: Viel hilft viel!
Also sprecht mit euren Kindern, lest ihnen vor, erklärt ihnen die Welt, sie werden es euch danken!

eure

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