Die Staubwolke meiner Hausfrauenqualitäten

Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer.

Als ich mein Elternhaus verließ und meinen ersten Haushalt zu führen hatte, begegnete ich zum ersten Mal in meinem Leben den Tücken des wahren Erwachsen-Seins.

 

 

Wie mein Mann das, was ich ihm teilweise servierte, überlebt hat, ist mir und einigen Verwandten bis heute ein Rätsel. Kochen war allerdings nur ein kleiner Teil der zu bewältigenden Anforderungen. Einige meiner allesvernichtenden Menüs sind auf ewig wie ein Fluch in der Familiengeschichte eingegangen, wie auch folgendes Ereignis, wofür ich noch heute bei so manchen Zusammenkünften mit meinen Liebsten Spott ernte.

 

In unserer ersten Wohnung gab es einen Ölofen, ein altes, aber funktionstüchtiges Teil. Einmal pro Jahr kam der schwarze Mann und kehrte das Kamin-Türchen vom Ruß frei. Mir wurde von meinem Mann aufgetragen, diesen Rückstand der Heizperiode nach getätigter Arbeit des schwarzen Mannes ordnungsgemäß zu entsorgen.
Soweit, so gut. Der Rauchfangkehrer überreichte mir einen randvollen großen Eimer mit schwarzem Ruß, verabschiedete sich und gewissenhaft überlegte ich nun, was zu tun wäre.

 

In völliger geistiger Umnachtung erschien es mir mehr als logisch, den Eimer in die Badewanne zu kippen, um die sandförmige Masse danach hinunterzuspülen. Nebenbei muss erwähnt werden, dass das Bad neu renoviert war, und weiße glänzende Fliesen unser ganzer Stolz waren.

 

„Komm, Rocky“,  sagte ich zu meinem braunen Dackel, der mich in dieser Zeit immerzu begleitete und wanderte mit dem Eimer bewaffnet ins Bad. Dort hob ich den Eimer elegant bis in Kopfhöhe und kippte ihn mit einem Schwung in die Wanne. Ähnlich wie bei einer atomaren Explosion bildete sich augenblicklich eine Pilz-form-ähnliche Wolke und erste Zweifel, ob diese Entsorgung klug durchdacht war, machten sich breit.

 

Es dauerte einige Minuten bis ich aufgrund der Rußschwaden wieder schemenhaft sehen konnte, die Partikel des ausgekippten Materials schwebten endlos in der Luft und als ich in den Spiegel sah, waren meine Augenbrauen dick und schwarz wie die eines Ureinwohners aus dem Dschungel, meine Zähne ebenso.
Rocky war nicht mehr braun, sondern tiefschwarz, wie ein kleinwüchsiger Panter. Über die ehemals weißen Fliesen zu berichten ist mir nicht möglich, diesen Teil habe ich aus meiner Erinnerung verbannt. Im Gedächtnis ist mir nur das laute Schluchzen meines Mannes bei seiner Heimkehr geblieben.

 

Nachdem sich nach Ewigkeiten die Rußwolke etwas gelichtet hatte und ich das gesamte Ausmaß der Katastrophe betrachten konnte, machte ich mich ans ‚Runterspülen‘ der Partikel in der Wanne, in der sich ein Großteil der Masse befand.

!!!!!!! Wasser Marsch !!!!!!

Durch die Vermengung mit dem Wasser entstand eine schmierige, ekelhafte, klumpende Pampe, die wie Teer aussah und sich selbstverständlich nicht einfach so hinunterspülen ließ. Es ließ sich rein gar nix mehr runterspülen. Mit der Saugglocke aus dem WC bearbeitete ich den Abfluss, was nur eines zur Folge hatte: Die Verwüstung wurde absolut perfektioniert, weil mir dieses Ding mehrmals aus der Hand rutschte und die darauf haftenden Teer-ähnlichen Brocken durch den ganzen Raum flogen. Damit war das absolute Chaos perfekt.

 

Lange Rede, kurzer Sinn… dieser erste Versuch ins Hausfrauen-Dasein löste eine Beziehungskrise biblischen Ausmaßes aus, die Rußpartikel schwebten irgendwie noch wochenlang durch die Räume und der Installateur, der den Abfluss bearbeiten musste, spricht bestimmt noch heute von mir. Ich stritt tagelang mit meinem Mann, der mir logisches Denken absprach, während ich ihm vorwarf, ein undankbarer Idiot zu sein. Die Wanne wurde irgendwie nie wieder richtig strahlend Weiß und nach jedem Vollbad meines Angetrauten hagelte es Spott und Häme.

 

Mit dieser Episode bin ich unsterblich geworden. Sie wird in meiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden, was auch immer bei den ersten unsicheren Schritten zur ‚Hausfrau in höchster Vollendung‘ schiefgeht… das kann so schnell keiner toppen !!

 

Ganz liebe Hausfrauengrüße,

eure

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