Es tut mir leid

Die vier Worte „Es tut mir leid“ sind für einige Menschen leider sehr schwer auszusprechen. Trotzdem sind sie vor allem für Kinder sehr wichtig. Dr. Veronika Burtscher-Keine hat in ihrem Beitrag genau dieses Thema behandelt und ich bin ganz ihrer Meinung.

Perfekte Eltern

Kinder lernen durch die Vorbildwirkung. Und wer ist bzw. sollte das größte Vorbild für ein Kind sein? Natürlich die Eltern. Aber was, wenn die Eltern sich nicht entschuldigen können? Wenn sie sich selbst keine Fehler eingestehen können und schon gar nicht  vor ihrem Kind? Wenn sie unbedingt perfekte Eltern sein wollen und nichts anderes zulassen?

Perfekte Eltern gibt es nicht. Wie sollte das auch funktionieren? Wir alle sind Menschen und machen nun einmal Fehler, haben Sorgen, sind überfordert oder haben einfach einen schlechten Tag. Was ist daran so schlimm? Nichts. Und genau das sollte man seinen Kindern auch vorleben. Denn nur so lernen Kinder, dass sie sich für ein Fehlverhalten nicht schlecht fühlen müssen und dass es ganz normal und auch völlig in Ordnung ist, einen Fehler zuzugeben. Irren ist menschlich.

Ich war das nicht

Hat ein Kind dies nie gelernt, so könnte es sein, dass es auch in seinem späteren Leben immer wieder alle Schuld von sich weist. „Ich war das nicht.“ wird zu seinem Lieblingssatz.

Beispiel:

Werner wäscht das Geschirr ab und stellt es anschließend in die Abtropftasse. Aus Versehen und wegen seiner Hektik fällt ihm ein Kaffeebecher in das Waschbecken und zerbricht. Stillschweigend nimmt er den Becker und schmeißt ihn in den Müll. Sagen tut er das bestimmt nicht. Diese Blöße gibt er sich auf keinen Fall. Wird ja bestimmt eh keiner merken.
Einige Zeit später kommt Simone in die Küche und will sich einen Kaffee machen. Sie sucht verzweifelt ihre Kaffeetasse und findet sie im Mülleimer. Nun fragt sie ihre Familie, wer das war. Alle verneinen, vor allem Werner schreit vehement, dass er es nicht war. Auch auf mehrmaliges Hinweisen, dass nur er es gewesen sein kann verneint er.

Im Beispiel geht es nur um einen Kaffeebecher, es ist nichts Teures oder Wertvolles. Nur ein Becher. Trotzdem kann er nicht zugeben, dass er es war und sich einfach entschuldigen. Solche Situationen kommen bei Werner und Simone leider öfter vor und führen sehr oft zu einem Streit.

Du bist schuld

Auch solche Menschen gibt es leider zu genüge. Passiert etwas – natürlich nur aus Versehen, nicht mit Absicht! – sind sofort alle anderen schuld.

Beispiel:

Vanessa holt mit ihrer 8-jährigen Tochter Sophie ihren 2-jährigen Sohn Lukas vom Kindergarten ab. Sophie hat Hunger, da sie gerade von der Schule kommt und noch nichts gegessen hat. Lukas will sich seine Jacke nicht anziehen. Vanessa ist überfordert und treibt ihre Kinder zum Auto. Erst nach ein einem halben Kilometer kommt sie drauf, dass sie ihre Handtasche im Garderobenraum vergessen hat. Also muss die Mutter umkehren und ihre Tasche holen. Wütend schimpft sie mit ihrer Tochter, warum sie nicht einfach still sein konnte und so einen Stress machte. Warum habe sie nicht auch mitgedacht und die Handtasche ihrer Mutter mitgenommen? Sie habe sie doch bestimmt dort stehen gesehen. Nur wegen ihr habe sie nun ihre Tasche vergessen und müsse umdrehen. So müssen alle noch länger auf das Mittagessen warten. Sophie ist traurig und ihr Selbstvertrauen schrumpft. Sie fühlt sich schuldig, weil sie ihrer Mutter das Leben so schwer macht.

In diesem Beispiel kann die Mutter nicht zugeben, dass sie selbst ihre Handtasche vergessen hat. Warum ist egal. Sie ist die Erwachsene und sollte an ihre Sachen denken. Ihre Tochter ist erst 8 Jahre alt und noch zu jung dafür. Die Mutter macht Sophie immer wieder Schuldgefühle, sodass diese immer mehr Angst bekommt etwas falsch zu machen oder etwas zu vergessen.

Fehler zugeben fördert die Beziehung

Auch wenn manche Menschen als perfekt gelten wollen, sollten sie dies in der Familie vermeiden. Die eigenen Fehler zugeben zu können ist wichtig. Kinder lernen so, dass sie, auch wenn sie einen Fehler begangen haben, trotzdem geliebt und geachtet werden. Sie brauchen sich vor ihren Eltern und Geschwistern nicht verstecken und können offen über ihre Gefühle, ihr Verhalten und ihre Fehler sprechen.

Wenn ich meinem Sohn aus Versehen weh tue oder etwas zu grob/laut war, entschuldige ich mich jedes Mal bei ihm. Ich will ja nicht, dass er weint oder sich schlecht fühlt. Stattdessen möchte ich ihm zeigen, dass er nichts Schlimmes gemacht hat und dass ich nicht böse auf ihn bin. Ich liebe mein Kind und das soll er auch wissen.

eure

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Bild: Tiny Toes

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