Geburtsbegleitung: Willkommen, kleines Leben!

Aus persönlichen Gründen konnte der Mann meiner Freundin nicht bei der Geburt ihres zweiten Kindes dabei sein.
Und so durfte ich ihr unterstützend zur Seite stehen.

Es war für mich eine wunderbare Erfahrung, dieses Ereignis von der „anderen Seite“ miterlebend zu dürfen. 

Mitte April war der Geburtstermin. Am Tag des Tages tat sich nichts und wir fuhren ins Krankenhaus zur (hoffentlich) letzten Routineuntersuchung.
Das übliche Prozedere wie CTG und Ultraschall zeigten keinerlei Auffälligkeiten. Das Baby fühlte sich anscheinend noch pudelwohl in Mamas Bauch.

Der nächste Termin wurde für Samstag vereinbart bzw. sollten wir kommen, wenn es losgeht. Auch am nächsten Tag tat sich nichts.

 

Es geht los

In der Nacht von Freitag auf Samstag läutete mein Handy. Es geht los, die Wehen kommen schon regelmäßig.

Ach Mist, was machst du jetzt mit den Kindern?„, denke ich mir. Eigentlich wollte ich sie während der Geburt bei meiner Familie unterbringen, aber es ist mitten in der Nacht. Ehrlich gesagt, habe ich den Gedanken, dass das Kind in der Nacht kommen könnte, beiseite geschoben verdrängt. Mein Plan war, dass ich die Kinder nach dem Aufstehen abgebe und dann ins Krankenhaus fahre. Hm, dieser Plan ist wohl nicht ganz aufgegangen.

Ich beschließe, die Kinder samt Schlafsack einzupacken und abzugeben. Den Blick meiner Schwester muss ich wohl nicht erwähnen, als ich mitten in der Nacht aufgekreuzt bin. Wie auch immer, die Kinder waren wohl noch etwas müde und haben dort weitergeschlafen. Welche Erleichterung.

Weiter gehts: Ab ins Krankenhaus!

Oh, Mann, hoffentlich schaffe ich es noch rechtzeitig. Es war ca. 3.00Uhr, als ich dann dort angekommen bin.

Parkplatz direkt vorm Eingang, Checkpot! –  War ja auch kein Schwein da, außer ich. 😉

Anscheinend hatte es der kleine Mann noch gar nicht so eilig, wie gedacht. Der Muttermund war erst circa drei Zentimeter offen. Aber bekanntlich kann das dann schnell gehen. Vor allem beim zweiten Kind geht es normalerweise schneller. Sagt man.

Wir gehen am Gang spazieren und halten uns bei jeder Wehe am Handlauf fest, um zu veratmen. Anfangs wusste ich nicht recht, was ich tun sollte. Welche Unterstützung wünscht man sich als Gebärende wirklich? Ich hab dann Händchen gehalten und gut zugeredet.

Um die Wehen leichter zu verarbeiten, durfte meine Freundin dann in die Wanne. Ich dachte mir nur:“Wow, was für ein schöner Raum!“ Mit dem dämmrigen Licht wäre es unter anderen Umständen direkt romantisch gewesen.

 

Gegen 5.00 Uhr merkte ich schon die ersten Müdigkeitsanzeichen. Getan hat sich auch nicht wirklich viel. Es heißt weiter warten. Zwei Stunden später war dann Schichtwechsel und wir durften den Kreißsaal beziehen. Mittlerweile waren die Wehen schon heftiger. Meine Freundin konnte sie mit Leichtigkeit wegatmen. Von außen betrachtet, sah das Ganze fast schmerzfrei aus, was es natürlich nicht war. Sie hat das echt toll gemacht. Durch verschiedene Positionen und Stellungswechsel wollte die Hebamme die Geburt vorantreiben.

 

Irgendwie ging einfach nichts weiter. Im Laufe des Vormittags machte sich mentale Erschöpfung breit.

Irgendwann  untersuchte die Hebamme wieder den Muttermund – und zack – die Fruchtblase ist gesprungen. Das ganze Fruchtwasser kam mit einem Schwall mitten auf die Hebamme geschossen. In diesen Momenten beneidet man die Hebammen sicherlich nicht um ihren Beruf. Mag er auch noch so schön sein. Es wird aber sicher nicht das erste und auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ihr sowas passiert. 😉

Das Fruchtwasser jedenfalls war schon etwas grünlich gefärbt, sei aber noch nicht besorgniserregend. Durch weitere Stellungswechsel versuchten wir das Baby herauszulocken.

 

Das Ende naht

Irgendwann gegen Mittag entschloss sich die Hebamme mit der diensthabenden Ärztin, ein Wehenmittel anzuhängen. Weil die Schmerzen unerträglich wären, wird vorher noch eine PDA gelegt.

Wie gut, dass ich das Wehenmittel damals so bekommen habe. Ohne Schmerzmittel. Ohne PDA. Hm.

 

Meine Freundin konnte jetzt schmerzfrei entspannen und Kraftreserven sammeln. Wir witzelten darüber, wie lange es wohl noch dauern werde. Ich befürchtete, es wird sich wohl noch eine Weile hinauszögern. Ich besorgte mir mal umgehend etwas zu essen und erkundigte mich nach den Kindern. Alles palletti. So solls sein.

Am frühen Nachmittag entfaltete das Wehenmittel seine Wirkung und die Wehen nahmen an Intensität, trotz PDA, zu. Eine erneute Muttermundkontrolle ergab, dass sich weiterhin nichts getan hatte. Stand: 4cm.  Um das weitere Vorgehen zu besprechen, wurde die diensthabende Ärztin hinzugezogen.

Nun wurde ausgesprochen, was ich mir schon zuvor gedacht habe. Ein Kaiserschnitt ist notwendig, da der Druck von oben fehlt und der Kleine nicht richtig ins Becken rutscht. Für meine Freundin brach im ersten Moment die Welt zusammen, hatte sie sich doch so sehr eine natürliche Geburt gewünscht.

Dem Baby ging es noch gut und sie wollten ihn bei gutem Wind holen, bevor sich die Situation zuspitzt. Nachdem der erste Schock überwunden war, ging es in den OP.

Um  14.42 Uhr war er dann endlich da. Willkommen, kleiner Mann <3 

 

Nach der Erstversorgung durfte ich den kleinen Mann baden, vermessen und wiegen. Danach wurde gekuschelt.

Wie klein doch so ein Neugeborenes ist. Mit großen Augen blickte er mich an. Ganz zerknautscht und friedlich lag er in meinen Armen.

 

Es ist immerwieder ein Wunder.

Ich wünsche dir ganz viel Glück und Freude in deinem Leben. Eine wunderbare Familie und Kindheit, Gesundheit und das all deine Wünsche in Erfüllung gehen. 

Danke, dass ich dabei sein durfte bei diesem wundervollen Moment.

deine

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