Ich bin schwanger, nicht krank!

Seit meine Mitmenschen wissen, dass ich schwanger bin, behandeln mich manche anders als früher. Manchmal bin ich zwar etwas froh darüber, aber es gibt auch Situationen, die mich traurig oder wütend machen. Ich bin doch nur schwanger und habe keine unheilbare oder ansteckende Krankheit bekommen.

Alkohol ist tabu

Wie jedes Jahr gehen wir auch diesen Jänner wieder auf Bälle. Da ich im 5. Monat schwanger bin, besuchen wir jedoch nur drei Bälle. Ich kaufe mir extra ein schwarzes bequemes Kleid und ziehe flache Schuhe an. Es ist lustig und wir haben Spaß. Eine Freundin will an die Bar gehen. Sie fragt mich, was ich trinken möchte. Lächelnd sehe ich sie an und erkläre ihr, dass ich ja nichts trinken darf, sie sich aber gerne etwas holen kann.
Danach war alles irgendwie anders. Ich werde immer seltener gefragt, ob ich mitkomme und das macht mich traurig. Als ich nachfrage bekomme ich zur Antwort, dass ich ja keinen Alkohol trinke und ich deshalb nicht dazu passe. Es sei langweilig, wenn ich nichts trinke. Aber warum muss ich denn unbedingt Alkohol trinken um Spaß zu haben? Ich kann auch ohne Alkohol feiern und einen schönen Abend verbringen.

Sitz, Platz, aus

Ich habe einen Termin beim Hautarzt und betrete das Wartezimmer. Alle Plätze sind besetzt, stört mich aber nicht. Obwohl ich erst im 6. Monat schwanger bin, habe ich schon einen großen Bauch. Eine ältere Dame sieht mich und springt förmlich auf, damit ich mich setzen kann. Ich bedanke mich, sage ihr aber, dass sie gerne sitzen bleiben könne. Dies hört ein älterer Herr und auch er ist der Meinung, dass ich als Schwangere sitzen muss. Trotz meiner Proteste zwingen sie mich regelrecht zum Hinsetzen. Also nehme ich Platz. Ich komme mir vor wie ein Hund. In der Schule muss ich auch oft und lange stehen, deshalb bin ich es gewohnt und es stört mich nicht. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ältere Personen aufstehen, nur damit ich sitzen kann.

Hausbau

Ein Haus zu bauen ist stressig und es ist einfach immer etwas zu tun. Natürlich möchte ich meinem Mann helfen, auch wenn ich schwanger bin. Vor allem im Mutterschutz habe ich oft Langeweile und möchte mich beim Hausbauen einbringen. Graben steht am Plan. Ich weiß, dass ich nicht viel machen kann bzw. nicht schwer heben darf. Trotzdem bin ich meist anwesend und erledige Kleinigkeiten wie Fotos machen, Getränke holen, Werkzeug holen usw. Es ist Mai, warm und ich fühle mich gut. Deshalb möchte ich auch graben. Ich nehme eine Schaufel und helfe meinem Mann. Eigentlich bin ich ihm keine große Hilfe, ich nehme nur sehr wenig Erde auf die Schaufel und bin auch langsam. Aber ich mache etwas für unser Zuhause, für unsere Zukunft. Plötzlich sieht mich mein Schwiegervater und dreht fast durch. Er meint, dass ich mit dem Graben sofort aufhören soll und dass das nicht gut ist für das Baby. Dann stellt er mir einen Sessel in die Wiese neben den Erdhaufen und meint, ich solle mich hinsetzen und so mit meinem Mann plaudern.

Konzertbesuch

Ungefähr sechs Wochen vor dem errechneten Termin besuche ich mit meinem Mann und meinen Eltern ein Konzert von Unheilig in Wien. Wir haben einen Sitzplatz ziemlich weit hinten und sind immer achtsam und vorsichtig. Es ist die letzte Chance auf einen schönen Konzertbesuch für längere Zeit. Das Konzert ist ein Traum und wir genießen die Zeit.
Fast jede Person, die von dem Konzertbesuch erfährt, ist geschockt und versucht es mir im Vorfeld auszureden. Auch nach dem Konzert wird es nicht besser, denn die meisten wollen mir ein schlechtes Gewissen machen. Ich wäre verantwortungslos und müsse mehr Rücksicht auf mein Kind nehmen. Aber das tue ich doch! Ich achte auf mein Baby, nur möchte ich mich nicht daheim einsperren. Die Schwangerschaft ist eine Zeit, die man genießen soll.

Schwangerschaft ist keine Krankheit

Solche Situationen passieren mir in der Schwangerschaft immer wieder. Wieso verstehen die Menschen nicht, dass ich nur schwanger bin und keine Krankheit habe? Sollte ich nicht selbst genau wissen, was ich mir zutrauen kann und was ich eher unterlassen sollte? Wenn ich zum Beispiel rauchen oder Alkohol trinken würde und sich da jemand einmischt, ist das eine Sache. Aber die Entscheidung, ob ich nun lieber sitze oder stehe sollte doch mir selbst überlassen werden.
Ich bin auch sehr traurig und enttäuscht, dass meine Freundinnen mich nicht mehr so oft fragen, ob ich mit ihnen fortgehen oder etwas trinken gehen möchte. Bis jetzt hat sich doch nichts geändert. Die großen Veränderungen kommen doch erst nach der Geburt unseres Kindes. Wie wird es dann aussehen? Werden sie mir dann den Rücken ganz kehren? Werden die Freundschaften abbrechen? Werde ich meine Freundinnen verlieren? Das möchte ich eigentlich gar nicht. Doch sollte es so sein, kann ich es leider auch nicht ändern.

Aber es geht nicht nur mir so. Immer wieder höre ich solche Geschichten bei befreundeten Frauen, die ebenfalls schwanger sind. Leider wird man als Schwangere oft behandelt, als wäre man krank. Man darf dies nicht machen und darf das nicht tun. Aber dieses und jenes muss man unbedingt machen. Auch beim Thema Essen wird einer Schwangeren genau auf die Finger geschaut, damit sie ja nichts falsches isst. Weiche Eier, Salami, Tiramisu, Mayonnaise, Thunfisch, Räucherlachs, Brie usw. darf man um Gottes Willen ja nicht essen. Dafür sollte der Essensplan 9 Monate lang (wenn man stillt noch länger) nur aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und dergleichen bestehen. Schwangerschaftsgelüste? So etwas darf man anscheinend nicht haben. Natürlich sollte man auf einige Lebensmittel verzichten. Aber ich muss nicht meine komplette Ernährung umstellen.

Also an alle Schwangeren: Genießt die Schwangerschaft und freut euch auf euer kleines Wunder. Ihr seid nicht krank, nur schwanger und dies ist eines der schönsten Sachen auf der Welt.

eure

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