Kalter Toast! Echt jetzt?

Ich war während der gesamten Schwangerschaft unglaublich ausgeglichen. Sanftmütig, besonnen und Herr meiner Sinne. Selbst im schlimmsten Hormonrausch hatte ich mich unter absoluter Kontrolle.

 

So saß ich zum Beispiel eines Tages mit meinem Mann vor dem Fernseher, als er Chips-knabbernd diesen einen Satz in meine Richtung warf, der unsere Beziehung bis in die Grundmauern erschüttern sollte.

„Endlich mal eine hübsche Moderatorin im TV, findest du nicht auch?“, schmatzte er. Nachdem ich etwa 90 Minuten lang durchgehend geschluchzt hatte, machte sich mein angeborener Kampfgeist breit. Ich warf ihm vor, an diesem (wie ich fand) absolut hässlichen Miststück mehr Interesse zu zeigen als an mir, beschuldigte ihn des geistigen Fremdgehens und hasste ihn wie nie zuvor. Zwei Tage sprach ich kein Wort mit ihm, brach immer wieder in Tränen aus und schaltete den Fernseher kommentarlos aus, wenn er ihn anmachte.

 

Dank meiner unendlichen Güte hatte sich die Lage einige Wochen später wieder halbwegs stabilisiert und irgendwann saßen wir wieder gemeinsam vor dem TV. Es war gegen Mitternacht, als mich eine unbeschreibliche Gier nach Toast überkam. Geröstetes Brot, saftiger Schinken, goldgelber geschmolzener Käse.
Ich wollte Toast. Jetzt. Auf der Stelle.

 

„Schatz, es ist Sonntag, kurz vor Mitternacht. Wir haben weder Toastbrot noch Käse zu Hause“, lachte mein Mann, noch guter Dinge, dass die Vernunft mein Zentralnervensystem erreichen würde.

Dann sollte er eben einen Nachbarn nach Brot fragen, fand ich.

„Um Mitternacht? Dein Ernst?“, fragte er und sah mich an, wie es Pfleger in der Anstalt tun, die psychotischen Neuzugängen in die Zwangsjacke helfen.

 

Tja, dann blieb nur eins. Auf zum einzigen Restaurant in der näheren Umgebung, das um diese späte Zeit noch kulinarische Notfälle erstversorgte. Dass unser Auto in der Werkstatt war, tiefster Winter herrschte und draußen ein Schneesturm tobte, beeindruckte mich wenig. Und im Keller gabs ja noch das alte Fahrrad. Ich wollte Toast. Punkt!!!!!

 

Mein Mann versuchte einige Minuten lang, eine Revolution anzuzetteln und weigerte sich beharrlich, mit dem verrosteten Ding 20 Minuten lang gegen den Schneesturm zu radeln. Den köstlichen Toast vor Augen zickte ich ihn an, dass ich ihm die „Sache“ mit der Moderatorin schließlich vergeben hätte, was meines Erachtens keinesfalls selbstverständlich war. Und dass ich nun ein Recht auf diesen Toast hätte.

 

Nun, er kapitulierte. Weil er vielleicht keine Lust auf eine weitere hormonell bedingte Szene hatte oder weil er eventuell ganz froh war, für einige Zeit aus meinem direkten Wirkungsfeld zu fliehen. Wie für eine Alaska-Expedition gekleidet schwang er sich auf das rostige Ding und radelte dem Toast entgegen. Ich war mir kurz unsicher, ob er wiederkommen würde, aber als ich überprüft hatte, ob sein Reisepass noch im Schrank lag, wusste ich… Er würde.

 

Eine Stunde später überreichte er mir mit zugefrorenen Augenlidern und triefender Nase den ersehnten Toast. Eingewickelt in Alufolie. Na endlich!!!

 

„Der is‘ ja kalt !!!!????“, jammerte ich nach dem ersten Bissen.
Kalter Toast ? Echt jetzt?

Wäre es ihm wirklich wichtig gewesen, dann hätte er eine Möglichkeit gefunden, heißen Toast zu liefern. Auch bei Minusgraden. Und dem Radeln im Schneesturm. Meine Meinung!

 

liebe Grüße,

 

eure

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Beitragsbild: Pixabay

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