Martin, der Wilde

Sommerferien. Freiheit pur für den Kronprinzen. Keinerlei schulische Anforderungen, die Zeit mit Gleichaltrigen im Grünen verbringen.

So erlebte mein Sohn herrliche Tage nach unserem gemeinsamen Urlaub bis zum neuen Schuljahr, er war etwa 8 Jahre alt.

 

Bis er eines Tages laut schluchzend heimkehrte. Mit geschwollener Wange, auf der deutlich fünf Finger erkennbar waren.

Ich wurde geschlagen ! Von diesem Martin, der ist viel größer als ich !„, weinte er. Selbstverständlich war er ohne Grund misshandelt worden, so versicherte er es mir zu mindestens.
Und weil ich als Mutter mein Kind am allerbesten kenne und er meine überaus liebliche Art geerbt hatte, gab es für mich keinerlei Zweifel an dieser Aussage. Mein Spross war Opfer geworden! Opfer eines körperlich überlegenen Wilden, und es war nun meine Aufgabe, die „Sache“ in die Hand zu nehmen. Diesem Nachwuchs-Schläger würde ich gehörig die Meinung sagen. So verlangt es das Gesetz der Natur als Mutter.

 

Nachdem ich die Wange gekühlt, meinen Sohn bemitleidet und mich selbst perfekt in die Rolle des Racheengels hineingesteigert hatte, stapfte ich wutschnaubend mit dem noch immer raunzenden „Opfer“ im Schlepptau ins Grüne, um die Fronten ein für alle mal zu klären. Den „Schläger“ fand ich auf der Schaukel, gut gelaunt und etwa 11 Jahre alt.

Ich begann sofort ihn anzuklagen, baute der Dramatik halber Sätze wie „auf einen Schwächeren loszugehen, ist ja wohl das Allerletzte“ ein, schimpfte und keifte, während mein selbstverständlich noch immer leidender Sohn neben mir mit seinen unschuldigen Bambi-Augen klimperte.

 

Aber er hat doch…..„, versuchte der „Täter“ sich ständig zu rechtfertigen, was aber selbstverständlich komplett an mir abprallte. Das waren doch nur die üblichen Versuche eines Schuldigen sich zu rechtfertigen, dieses Verhalten kannte ich zur Genüge aus diversen Gerichts-Dokumentationen.
Ich tobte also ohne Unterbrechung, während der „Täter“ meinen Redeschwall gelangweilt über sich ergehen ließ und mein armes bemitleidenswertes Opfer ab und zu ein „Genau!!!“ als Kommentar einwarf.

 

So. Die Regeln waren also klar und ich konnte mich wieder beruhigt meiner Hausarbeit widmen. Dieser Wilde, Martin, wusste nun, dass Gefahr von Mutter Justizia, der Göttin der Gerechtigkeit, drohte und würde sich nicht mehr an meinem wohlerzogenen, lieben Jungen abreagieren. Big Mama hatte die Lage analysiert, neue Gesetze erlassen und den Schwachen beschützt.

 

Zwei Stunden später sonnte ich mich auf meiner Loggia, als ich laute Schreie vernahm. Diese Stimme kannte ich doch. Sie gehörte Martin, dem Wilden!

Ich erhob mich von meinem Lager und blickte nach unten ins Grüne, wo Martin und mein Spross sich gegenüber standen. Mein Herr Sohn hatte etwas in Händen und peitschte damit auf Martin ein. Bei genauerer Betrachtung stellte ich fest, dass es einer dieser langen dünnen blätterlosen Zweige eines Strauchs waren, die besonders windschlüpfrig sind. Schützend hielt Martin seine Hände vor seinen Körper während mein Prachtexemplar weit ausholte und auf die Beine seines Gegenübers peitschte.

 

Wenn du nicht gleich aufhörst, kriegst noch a Watschn so wie vorher, diesmal auf die andere Wange!“, brüllte Martin.

Ja, mach nur, dann hol ich wieder meine Mutter und dann kannst dich auf was gefasst machen„, rief mein Herr Sohn und setzte seine Tätigkeit unbeeiddruckt fort. Zumindestens so lange, bis ich hinter ihm stand und ihm auf seine Schulter tippte.

 

Es gab nichts mehr zu besprechen. Während ich mich bei Martin ausgiebig entschuldigte, stand das Opfer, das eigentlich nie eines gewesen war, neben mir und das Unbehagen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Nun nützte auch das Bambi-Geklimpere nichts mehr. Auf meine Frage was er sich dabei nur gedacht hatte, antwortete er mir, er hätte nur testen wollen. ob diese Äste wirklich wie Peitschen sind, so wie sein bester Freund einen Tag davor behauptet hatte.

 

Nachdem wir ein 4 Augen Gespräch über das Schlagen von Lebewesen generell geführt hatten, testeten wir gemeinsam etwas Neues : Wie findet es ein 8jähriger, das Haus einige Zeit nicht mehr verlassen zu dürfen?

 

Schöne Sommerferien 😉

 

Eure

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Beitragsbild: Pixabay

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