Mein besonderer Muttertag

Ich war ein Jahr lang Mama, als mir mein Mann einen besonderen Muttertag versprach. Stellvertretend für den kleinen Prinzen sozusagen, der damals ja noch in den Windeln war. Als Huldigung für das Geleistete. Als Anerkennung und Wertschätzung.

Ein Abend in romantischer Zweisamkeit, den ich nie wieder vergessen würde. So war es mir von meinem Angetrauten angepriesen worden und er sollte zu 100 % recht behalten.

 

Gott war ich begeistert! Nach einem ganzen Jahr war es wirklich notwendig, das Haus mal wieder als Frau und nicht nur als Mutter zu verlassen. Ich liebte meinen Sohn abgöttisch, doch der Gedanke, einen Abend lang ohne Sabberflecken und vollen Windeln zu verbringen war schon sehr verlockend. Als besonderes „Highlight“ durfte ich einen Kinofilm aussuchen, und im Anschluss sollte es ein schickes Essen geben.

Paarzeit für uns. Romantik pur. Herrlich. 

 

Ich wählte einen typischen „Frauenfilm“. So hätte es mein Mann ausgedrückt.

Als wir im Kino ankamen, war ich noch guter Dinge. Auch bei der Werbung war noch alles in Ordnung, nachdem der Film aber 30 Minuten gelaufen war, gabs die ersten Nervereien vom Typ neben mir… meinem Mann.

„Was heult die denn jetzt dauernd?? Wann gibts denn endlich mal Action bei diesem Schrott-Film? Wenn ich er wäre, ich würde die rausschmeissen“, hatte er bei jeder Szene auszusetzen.

 

„Mein Popcorn ist leer. Wie lange dauert der Schinken denn noch?Meine Güte ist die hysterisch! Wieso trägt die High-Heels, wenns wie aus Kübeln regnet? Typisch Frau!“

Nach 50 Minuten, in denen ich mich kaum auf den Film konzentrieren konnte, weil ich ständig überlegte, ob ich ihn mit einem knock-out Schlag auf die Schläfe zum Schweigen bringen sollte, zischte ich ihn böse an, dass wir eben auch gehen können… wenn er will. Selbstverständlich war diese Aussage nicht wirklich ernst gemeint, doch innerhalb von Sekunden war er aufbruchbereit und zog mich Richtung Ausgang.

 

Wäre eine Scheidung vom Gesetz her in einem Kino ohne großen Aufwand möglich gewesen, ich hätte sie auf der Stelle vollzogen. „Gott sei Dank hast du dich auch so gelangweilt wie ich und wir konnten gehen“, schnaubte er auf der Rolltreppe abwärts zur Garage. Mit offenem Mund starrte ich ihn absolut fassungslos an und fragte mich, warum zum Henker mich niemand davon abgehalten hatte, diesem Menschen das „Ja-Wort“ zu geben.

 

Okay, beim Essen würde bestimmt romantische Stimmung aufkommen, sagte ich mir. Ein gemütlicher Tisch in einer halbfinsteren Ecke, Kerzenschein und tiefe Blicke in diese blauen Augen, in die ich mich damals so verliebt hatte. Nach einer 20minütigen Fahrt war ich zwar in einer halbfinsteren Ecke, aber nicht in einem Lokal, sondern beim Drive-In Schalter einer weltbekannten Schnellimbiss-Kette.

 

„Hältst du es nicht mehr aus bis ins Lokal vor Hunger?“,fragte ich ihn.

„Ah geh, ich hab mir überlegt : lass uns hier ein großes Paket Burger bestellen, egal worauf wir Lust haben, wir bestellen es. Und dann leihen wir uns noch eine geniale DVD aus und machen es uns zu Hause so richtig schön. Ist doch viel besser als in so einem überfüllten Lokal ewig auf einen Kellner zu warten, der dann viel zu spät das Essen bringt, das vielleicht eh nicht schmeckt“, flüsterte er in mein Gesicht und streichelte mir dabei übers Haar, bevor er sich der Bestellung widmete.

 

Ab diesem Zeitpunkt kann ich nicht mehr genau sagen, was exakt passierte.

Die Zeitspanne vom Drive-In-Schalter bis nach Hause fehlt in meiner Erinnerung komplett. Ich nehme an, dass mein Gehirn sich „ausgeloggt“ hat, ansonsten wäre ich wahrscheinlich Hauptdarsteller in der bekannten Sendung Aktenzeichen XY ungelöst geworden. Mein Phantombild wäre durch ganz Europa geflimmert und ich wäre als Drive-In-Attentäterin betitelt worden.

 

Irgendwann fand ich mich auf der heimischen Couch wieder, vor mir irgendein sinnbefreiter Karate-Film, neben mir mein Mann, Burger schmatzend und dabei ständig betonend, wie toll dieser Abend wäre und wie sehr er mich lieben würde.

 

Die Ehekrise, die nach diesem ersten Muttertag folgte, war monströs. Nachdem ich meine Fassung halbwegs wiedergefunden hatte, tobte ich wochenlang zum kompletten Unverständnis meines Mannes. Er fand diesen Abend atemberaubend erfrischend und romantisch. Und er betonte bei jedem Gespräch mit Außenstehenden, wie gut so eine Paar-Zeit der Beziehung doch tut und empfahl sie wärmstens weiter. Dieser erste Muttertag war speziell und derjenige, der mir für ewig in Erinnerung bleiben wird. Was mir mein Liebster ja vorhergesagt hatte!

 

einen schönen Muttertag wünscht euch

 

eure

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6 Gedanken zu „Mein besonderer Muttertag

  1. Hallo Monika!
    Ich hoffe, du übertreibst bei deiner Geschichte. Ich denke, dass so ein romantischer Abend beiden Ehepartner gefallen sollte. Und wenn dein Mann solche Liebesschnulzen nicht mag, verstehe ich ihn. Sowas sieht man sich mit Freundinnen an. Ich hoffe, dass ihr trotz der Krise noch zusammen seid.
    Mit vielen Grüßen
    Verena

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