Meine neue Liebe, der Japaner

In der heutigen Geschichte beichte ich dem Lord meine Romanze mit einem Japaner, der wohl bald bei uns einziehen wird. Sichtlich schockiert darüber, dass Mutter sich nochmal verlieben könnte, fantasiert er von Geisha-Kostümen und romantischen Stunden zu zweit. Aber lest selbst!

Vor einigen Monaten saßen der Lord, mein Bruder und ich in einem Lokal beim Essen zusammen, als das Thema irgendwie auf Beziehung, Ehe und Partnerschaft kam.

„Mama interessiert sich für sowas nimma. Die lebt nur für die Familie, die Firma und den Haushalt. Jeder Mann, der sie mag und ihr das sagt, wird von ihr sofort in Grund und Boden gekeift und nimmt sich einen Tag später das Leben“, erklärte der Lord, während er am Rippchen nagte.

 

Ich wäre fast an der Suppeneinlage erstickt und war absolut schockiert. So sah er mich? Als keifende Emanze mit Staubwedel?
Mein Bruder aber ergriff sofort die Gelegenheit um dem Lord einen monströsen Bären aufzubinden.
„Ich glaube, du solltest dich mal mit deiner Mutter intensiv unterhalten!! Alle in der Familie wissen, dass sie seit längerem schwer entflammt ist, nur du hast das noch nicht gecheckt“, sagte er zum Lord.
Ich schwieg, während mich der Lord fragend ansah und wechselte dezent das Thema, innerlich königlich amüsiert.

 

Die Liebesgeschichte

Als ich am WC war, verhörte mein Sprössling seinen Onkel, der ihm mit todernster Miene erklärte, ich hätte bei einem Damenabend einen hinreißenden Japaner kennengelernt. Er wäre zwar der deutschen Sprache nicht mächtig und zwei Köpfe kleiner als ich, dafür aber 20 Jahre jünger und ein hingebungsvoller Kavalier. Ich würde mich seit längerem heimlich mit ihm treffen, weil ich nicht wüsste, wie der Lord darauf reagieren würde…Wegen des großen Altersunterschieds und der Tatsache, dass der Japaner keinen festen Wohnsitz hätte.
Mein Bruder beschwor den Lord, Herz zu zeigen und diese Beziehung zu unterstützen.

Als ich vom WC zurückkam, war der Lord ziemlich blass, wollte kein Dessert mehr und hantierte ständig nervös mit der Serviette, während mich mein Bruder zur Seite nahm und lachend erzählte, was er erfunden hatte.

Bei der Heimfahrt im Auto startete der Lord das Interview.
Er: Wie verständigst du dich, wenn der deine Sprache nicht spricht?
Ich: Manchmal bedarf es zwischen zwei Menschen eben keiner Worte.
Er: Und du findest nicht, dass das komisch aussieht, wenn der so winzig und jung ist? Da glaubt man ja, das ist dein Kind, wenn der neben dir geht.
Ich: Nicht, wenn wir Hand in Hand gehen oder engumschlungen.

An dieser Stelle zitterte ich schon am ganzen Körper, wollte ich doch am liebsten laut lachend losbrüllen. Der Lord sah mich ungläubig an, als hätte ich den Verstand zur Gänze verloren.

Er: Sag mir jetzt aber nicht, dass der bei uns einzieht. Du kennst den ja erst paar Wochen!
Ich: Wahrscheinlich eh nur für paar Monate und vorübergehend, bis er eine Wohnung gefunden hat und Arbeit.

 

Ich konnte an seiner Mimik ablesen, dass er davon fantasierte, wie ich dem Japaner künftig im Geisha – Kostüm Sushi servieren würde, wie wir uns gegenseitig verliebt-kichernd mit den Stäbchen Häppchen reichen würden, und ich meinem Angebeteten zu japanischen Klängen die kleinen japanischen Füße massieren würde.

Ich sah ihm an, wie er verzweifelt um Fassung kämpfte, nach Argumenten suchte und überlegte, wie er mich am Schnellsten zu einem Psychologen schaffen könnte, bevor ich zum letzten Schlag ausholte und ihm sagte, ob er sich denn nicht ganz einfach für mich freuen könnte.

Nach diesem Satz war es allerdings mit meiner Fassung vorbei. Ich brüllte los und konnte mich eine Stunde lang nicht mehr beruhigen, der Lord selbst schwankte zwischen absoluter Erleichterung, Schock und Wut und sprach den Rest des Tages nicht mehr mit mir.

Heute hat er es überwunden und scherzt bei meinem Heimkehren von meinen Damenabenden:“Na, nen‘ schicken Japaner aufgerissen?“

 

Japanische Grüße,

eure

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Beitragsbild: Tiny Toes

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