Rabenmütter

„Du benutzt einen Gehfrei und einen Türhopser? Weißt du nicht, wie schädlich sowas ist?“, „Warum trägst du dein Kind nicht in einer Trage? Die Kleinen brauchen den Körperkontakt ja so dringen!“, „Du stillst dein Kind mit 2 1/2 Jahren noch immer?“ „Dein Kind bekommt Süßigkeiten? Die sind ja so schlecht für die Zähne und den Magen.“ „Fernsehe ist ganz schlecht für die Augen der Kinder. Das dürfen die doch erst frühestens mit drei Jahren.“ oder „Du solltest dein Kind so schnell wie möglich in sein eigenes Bett legen. Sonst bekommst du es nie wieder aus deinem Bett raus.“

Solche und viele weitere Vorwürfe und „Tipps“ kann man sich als Mutter zu genüge anhören. Alle wollen sich einmischen und wissen anscheinend besser als die eigene Mutter, was für das Kind gut ist. Man wird leider viel zu oft als Rabenmutter (im negativen Sinn) bezeichnet. (Eigentlich sind Rabenmütter genau das Gegenteil, sie sind tolle Mütter. Siehe zum Beispiel hier.)

Erziehung

Jede Mutter bzw. jedes Elternpaar hat seine eigenen Regeln, Vorlieben und einen eigenen Erziehungsstiel. Als Elternteil will man normalerweise nur das Beste für sein Kind. Doch jeder Erwachsene und auch jedes Kind ist anders. Ein Individuum.

Vor 25 Jahren setzte meine Mama mich des Öfteren in einen Türhopser, ich habe ihn geliebt und wollte nie heraus. Ob es wirklich so ungesund ist, kann ich nicht sagen. Ich habe keinerlei Schäden davongetragen, zum Glück. Meinem Sohn habe ich voriges Jahr auch einen gekauft. Er saß ungefähr drei oder vier Mal für maximal fünf Minuten darin. Er mochte ihn einfach nicht. Kinder sind einfach unterschiedlich und haben unterschiedliche Vorlieben. Und genauso erziehen Eltern ihre Kinder. Bekanntes wird weitergeführt, ungeliebtes geändert oder weggelassen. Meist erzieht man sein Kind grundlegend so, wie man auch selbst erzogen wurde. Erziehung formt den Charakter und das Verhalten jedes einzelnen.

In den sozialen Netzwerken stößt man immer wieder auf solche Themen und man bekommt schnell das Gefühl, als würde man (fast) alles falsch machen und die anderen wären die perfekten Mütter, ohne Fehler und Probleme. Das ist natürlich nicht so. Jeder Elternteil ist anders und behandelt seine Kinder anders. Was für mein Kind gut ist, kann für ein anderes Kind ganz falsch sein. Als Mutter oder Vater sollte man sein Kind so gut kennen, damit man das selbst beurteilen kann. Wichtig ist, dass es meinem Kind gut geht und es sich sicher und geliebt fühlt.

Wahre Rabenmütter und -väter

Auf Facebook in einer Gruppe stieß ich auf einen Beitrag, in dem eine junge Mutter um Hilfe sucht. Ihr neuer Freund mag keine Kinder und kommt auch mit ihrer 2-jährigen Tochter nicht zurecht. Beim Sex stört sie nur und da die Kleine den ganzen Tag nur redet, sind sowohl ihr Freund als auch sie schon sehr genervt. Jetzt ist die Dame am überlegen, ob sie ihre Tochter dauerhaft (!) zu ihrer Mutter gibt, denn sie liebt ihren Freund mehr als ihr Kind.

Mein erster Gedanke war: WAS??? Sie liebt ihren Freund mehr als ihr eigenes Kind? Und sie will die Kleine hergeben, damit sie wieder ungestört Sex haben kann? Ich hoffte inständig, dass das nur ein Scherz war. Doch ich befürchtete, dass dies leider nicht der Fall war. Wie kann man nur daran denken? Natürlich ist das Leben mit einem Kind anders und oft auch schwerer. Man kann einfach nicht mehr rund um die Uhr und überall Sex haben. Und dass Kinder viel reden und die Aufmerksamkeit der Mutter bzw. der Eltern brauchen ist doch auch klar. Vor allem in den ersten paar Jahren ist es anstrengender. Sobald das Kind älter wird, wird es etwas besser. Aber mit diesen Veränderungen muss ich einfach rechnen, wenn ich Nachwuchs bekomme.
Die Tochter der besagten Dame tut mir schrecklich leid. Das Kind wird wahrscheinlich ohne Liebe aufwachsen und sich immer ungeliebt fühlen. Irgendwie hoffe ich, dass sich jemand anderer um das Kind kümmert. Jemand, dem das Wohl des Kindes am Herzen liegt. Jemand, der das Kind liebt.

Seit ich selbst Mutter bin, höre ich immer öfter Geschichten von Eltern, die keine sein sollten. Eltern, die ihre Kinder abschieben, verprügeln, vergewaltigen, misshandeln und wie den letzten Dreck behandeln. Wenn ich sowas höre, werde ich immer richtig wütend. Es gibt genug Paare, die probieren jahrelang ein Baby zu bekommen und schaffen es einfach nicht. Und dann gibt es solche schrecklichen Menschen, die schaffen das, ohne überhaupt Nachwuchs zu wollen oder zu verdienen.

Mein Sohn ist 20 Monate alt und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ihn jemals absichtlich verletze. Ich bin seine Mutter und will ihn beschützen, ihn lieben. Wenn es ihm schlecht geht, geht es auch mir nicht gut. Ich passe mein Leben an ihn und seine Bedürfnisse an. Ich liebe meinen Sohn und kann mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Deshalb verstehe ich die Eltern nicht, die ihre Kinder nicht lieben, misshandeln oder noch schlimmeres. Beispielsweise der Mann, der seine kleine Tochter als Bestrafung in die heiße Dusche gestellt hat und dann mit der Kleinen nicht mal ins Spital gefahren ist. Oder der Vater, der seinen kleinen Sohn (ich glaub 10 Wochen alt) vergewaltigt und dann auf der Tischkante aufgeschlagen und getötet hat. So ein Verhalten entzieht sich komplett meiner Vorstellungskraft und ich könnte weinen, wenn ich sowas Tragisches höre.
Natürlich ist man froh, wenn man ein paar Stunden für sich hat und nicht immer auf den Nachwuchs aufpassen muss. Ein paar Stunden, in denen man sich etwas ausruhen oder die Wohnung putzen kann. Oder ein Abend mit dem Partner oder Freundinnen. Das ist doch ganz verständlich und auch wichtig. Aber hergeben oder gar misshandeln? Das könnte ich niemals.

eure

PS: Über ein „Gefällt mir“ auf unser Facebookseite würden wir uns natürlich auch sehr freuen 🙂

2 Gedanken zu „Rabenmütter

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