Schnell, ich brauche ein Schwein!!!

Bupsi, das Meerschwein des damals 5-jährigen Lords, lag eines Morgens regungslos und kalt in
seinem Käfig. Bupsi war von uns gegangen, still und leise, als wir alle schliefen.

Dazu muss ich erwähnen, dass er das Tier abgöttisch liebte und dass es wie ein ebenbürtiges
Familienmitglied zu behandeln war. So musste ich dem Tier Gute-Nacht-Geschichten vorlesen,
mich vor dem Käfig knieend nach seinem Befinden erkundigen und mit ihm den Speiseplan der
gesamten Woche „besprechen“,obwohl Bupsi nie mit uns am Tisch saß, geschweige denn jemals
auch nur eins der zubereiteten Menüs genossen hätte.

Hastig machte ich den Kleinen für den Kindergarten fertig, damit er die Tragödie nicht bemerkte
und schob ihn aus der Türe. „Ich muss noch nach Bupsi schauen“, raunzte er. Ich log, dass wir
ungeheuer spät dran wären, dass ich gleich nach meiner Rückkehr nach Bupsi schauen würde und
konnte so das Schlimmste verhindern.

Gut. Der Kleine war im Kindergarten „abgeliefert“, Bupsi beerdigt und ich hatte exakt 4 Stunden
Zeit. Ja, auch Kinder müssen lernen, dass das Leben vergänglich ist und dass man sich manchmal
von geliebten Lebewesen verabschieden muss. Sagte der Verstand. Mein Herz allerdings blutete
schon bei der Vorstellung meinem unglücklichen und verstörten Kind beim Leiden zusehen zu
müssen.

Also erinnerte ich mich nochmals detailliert an Bupsi’s Aussehen und galoppierte zur nächsten
Tierhandlung, wo ich keuchend die Türe auftrat und „Schnell, ich brauch ein Schwein!!“. brüllte.

Die laufenden Minuten im Nacken verlangte ich von dem dortigen Angestellten, mir ein identisches
Schwein zu verkaufen, was aber nicht wirklich machbar war. Dort wo bei Bupsi braunes Fell
gewesen war, war hier schwarzes, dort wo schwarzes gewesen war, war weisses.

„Kann man Meerschweinchen das Fell färben?“, fragte ich den Verkäufer, der ohnehin schon
sichtlich an meinem Verstand zweifelte, weil ich total aufgelöst und nervös in seinem Laden auf und
ab lief. „Natürlich nicht!“ fuhr er mich an und weigerte sich, mir aufgrund meines gesamten
Auftretens überhaupt irgendein Tier zu verkaufen.

Erst als ich ihm die Situation erklärt hatte, überkam ihn das Mitleid und er meinte, dass man dem
Kleinen ja erzählen könnte, dass Bupsi das „Winterfell“ gewachsen wäre, das eben
überraschenderweise anders als davor gefärbt wäre. Genial !! Ich galoppierte also mit einem neuen
„Bupsi“ wieder nach Hause, setzte ihn in den Käfig und betete, dass der kleine Lord meinen
unglaublichen Betrug aufgrund seiner kindliche Naivität nicht erkennen würde.

„Bupsi sieht heute irgendwie komisch aus, irgendwie nicht so schön wie sonst!“,  rief mein Kleiner.

Ich zitterte am ganzen Körper, während ich ihm vom Fellwechsel in den Jahreszeiten erzählte und
er mich mit großen Augen ansah.

„Achsooo!!!!!!Das ist wie bei dir, wo Papa vor Lachen am Boden gekugelt ist, weil du vor ein paar
Tagen mit so lustigen Haaren nach Hause gekommen bist. Ich glaub, du hast das Winterfell auch
bekommen!“, lachte der Kleine und stürmte in sein Zimmer. Halleluja. Dank der Friseurin, die vor
einigen Tagen meine hellblonde Mähne in eine fleckige rost-farbige Frechheit verwandelt hatte, und
die ich eigentlich auf Schmerzensgeld verklagen wollte, war meine Lüge unentdeckt geblieben.

Und Bupsi war somit das erste Meerschwein auf Erden, das insgesamt fast ein Jahrzehnt alt wurde.

 

eure

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Beitragsbild: Pixabay

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