Schule, Hausübungen und Muttergeschwätz – Die Frisur hält

Spätestens wenn das Kind in die Schule kommt, hat Mutti bald nichts mehr zu Lachen. Die nächste Phase, auch Pubertät genannt, nähert sich mit großen Schritten. Was da so passiert, könnt ihr heute lesen!


Die Wendung vollzog sich anfangs schleichend. Aus meinen Stammhalter, für den mütterliche Gebote und Ratschläge Gesetz gewesen waren, wurde Tag für Tag ein wenig mehr diese ewig maulende und pubertierende Laune der Natur.

Schulische Leistungen waren immer absolut nebensächlich. Oberste Priorität hatten die perfekt gegelte Frisur und die Verteidigung seiner Führungsposition bei seinem pickeligen Gefolge.
So konnte ich den Alltag mit ihm nur mit absoluter Selbstbeherrschung und intensivem Yoga bewältigen und hörte mir jeden noch so dämlichen Ratschlag von Leidensgenossinnen an, auf Verbesserung der Situation hoffend.

Abends erzählte er mir zum Beispiel, dass es keine Hausübungen geben würde, alles wäre unter absoluter Kontrolle.
Morgens, eine halbe Stunde vor Schulbeginn, wurde ich informiert, dass in exakt 30 Minuten eine schriftliche Zusammenfassung abzugeben wäre.

Bücher verschwanden, Hefte ebenfalls, ganze Schultaschen samt Inhalt wurden in der Straßenbahn „vergessen“, aber die Frisur saß stets perfekt.

Es war kein Problem stundenlang hochkonzentriert auf Facebook oder WhatsApp zu verbringen. Aber wehe es stand das Schreiben eines Aufsatzes auf dem Programm, wo ich ihn tief schlafend mit dem Kopf am Heft ruhend auf seinem Schreibtisch vorfand. Mit perfekt gegelter Frisur natürlich.

Zudem wurden bestimmte Techniken, die mich in den Wahnsinn trieben, bis zur absoluten Perfektion antrainiert. Ich schätze, es gab etwa 20 verschiedene Stufen und Arten des Augenrollens in Kombination mit mehr oder weniger angewiderten Seufzern, wenn ich ihm eine meiner Moralpredigten hielt. Auch im Türenschlagen zählte er zur absoluten Elite.

Selbstverständlich versuchte ich jede erdenkliche Maßnahme, um zu seinem verwirrten Verstand vorzudringen. Ich redete vernünftig und ruhig, genervt und hysterisch, verständnisvoll und eindringlich auf ihn ein, verhängte Strafen und Verbote. Und dennoch schlief er seelenruhig und tief wie ein Engel am Schreibtisch auf seinen Büchern, als ich einen Kontrollblick wagte. Mit perfekt gegelter Frisur.

Ich schätze in dieser Phase verprasste ich dermaßen viel (und sinnlos) für Nachhilfestunden, dass ich davon heute in einer 400qm Villa leben könnte, mit Gärtner und Butler.
Irgendwann kapitulierte ich vor so viel jugendlicher Ignoranz und befürchtete, dass er maximal eine Karriere als Staubsaugervertreter oder Prospektverteiler starten könnte, als das Unfassbare eintrat.

Nach der schlimmsten Periode seiner „Interessiert mich nicht“-Phase wechselte er in eine höhere weiterbildende Schule, um das letzte Pflichtjahr zu erfüllen.

Es ist ungeklärt, welche göttliche Eingebung oder Erscheinung er dort erfahren hat oder welche Kraft von ihm Besitz genommen hat. Fakt ist, dass er innerhalb eines Jahres ohne jegliches Zutun meinerseits zum absoluten Einserschüler mutierte und von einem derartigen Ehrgeiz gepackt wurde, der seinesgleichen suchte. Die Professoren lobten seine Leistungen überirdisch und versprachen ihm eine rosige Zukunft. Sie sollten Recht behalten, mein Lord maturierte fachspezifisch mit Auszeichnung und als Jahrgangsbester.

Wenn ich heute Bilder betrachte, die seine „schlimmste“ Phase dokumentieren, kommt ein wenig Demut in mit hoch.

Alle Sorgen waren unbegründet und unnötig, seinen Hang zur Perfektion hätte ich schon damals erkennen müssen. Schließlich saß auf JEDEM der Bilder JEDE einzelne Haarsträhne  absolut makellos!

 

eure

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Beitragsbild: Tiny Toes

Ein Gedanke zu „Schule, Hausübungen und Muttergeschwätz – Die Frisur hält

  1. Wenn man das denn nur auch immer vorher wüsste wie sinnlos man seine Nerven verschwendet ;D! In meiner Pubertät war es nicht anders-je mehr meiner Mutter redete desto weniger tat ich aber am Ende hab ich brav maturiert und niemals ein Jahr wiederholen müssen oder Nachprüfungen gehabt. Im Nachhinein meinte sie auch sie hätt
    mich gleich lassen sollen und sich die Nerven erspart 😀

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

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