Shoppingtour: 40 oder 42

Eigentlich schau ich gar nicht SO schlecht aus, fand ich gestern früh vor dem Spiegel. Wenn man von den faltigen Augen, der zu großen Nase, dem zu schmalen Mund, der unmöglichen Frisur, den Speckrollen, dem leicht debilen Gesichtsausdruck und den Plattfüßen absah.

 

Zudem hatte ich ja in den letzten 6 Monaten dank einer radikalen Diät 60 dag an Gewicht verloren und sah richtig schlank aus.
Das schrie nach Belohnung. Sonnenbrille auf, locker – lässiger Schritt und rein in die Boutique.

 

40 oder 42!

Ich drehte am Ständer mit den Jeans der Größe 40 und 42, als sich mir eine Verkäuferin näherte, mir eine Weile zusah und dann meinte: „44 bis 50 wären da drüben“.
Welch infame Frechheit! Schließlich trug ich seit Jahrzehnten dieselbe Größe, und hatte geschätzte 30 Stück davon in meinem Schrank, zwar nach dem Kauf nie wieder getragen, aber 40 oder 42!

 

Ich entschied mich für ein Teil der Größe 42 und begab mich in die Garderobe. Bis zu den Knien gabs keinerlei Probleme. Danach musste ich mich in eine halb liegende Position begeben, zog und zerrte an dem Stoff und hielt 8 Minuten lang die Luft an, bis ich sie hatte wo sie hingehörte. Wieder aufzustehen war ein Kraftakt, irgendwie fühlte es sich an als wäre ich in eine Ritterrüstung einbetoniert, doch nun kam erst der schwierigste Teil:
Der Reißverschluss plus Knopf machten mir ernsthafte Sorgen. Durch jahrelanges Training hatte ich mir aber eine gewisse Technik angeeignet: Lunge, Darm, Leber und sämtliche innere Organe sind Gott sei dank nicht streng fixiert und durch Pressen, Quetschen und Nichtatmen leicht verschiebbar. Während ich mein Herz neu positionierte, sodass es schließlich in Schulternähe weiter schlug, schloss ich mit einem Ruck den Knopf. Ich rang kurz mit dem Gefühl beginnender Ohnmacht, fasste mich dann aber und betrachtete mich. Die Hose war dermaßen eng, dass man sogar die 2 mm große Narbe am Knie durch den Stoff erkennen konnte und mein Bauch war so nach oben gedrängt worden, dass es irgendwie wirkte als hätte ich 4 Brüste.

Die lass ich gleich an„, sagte ich keuchend zur Verkäuferin, die ihre Augenbrauen hob. Unglaublich, mit welch Inkompetentem Personal man zu tun hat! Ich sagte doch: 40 oder 42!

 

Beim Schuhkauf entschied ich mich für Pumps der Größe 39, obwohl ich eigentlich 42 bräuchte. Die machen meine Fesseln irgendwie schlanker, obwohl sich in Sekunden Blasen bildeten und das gequetschte Fleisch dermaßen aus den Schuhen quoll, dass es aussah, als hätte ich schnell wuchernde Geschwüre an den Beinen.

Ich stöckelte hölzern wie ein Zombie keuchend durch den langen Weg der Einkaufspassage heim, ständig von der Angst begleitet, der Knopf der Hose könnte vom Stoff abgesprengt werden und mit Lichtgeschwindigkeit einem anderen Passanten den Kopf von den Schultern blasen. Die Menschen blieben kurz stehen und starrten mich an, weil ich meine Beine beim Gehen nicht abwinkeln konnte, und weil ich bereits solche Blasen hatte, dass ich bei jedem einzelnen Schritt Gott und meine verstorbene Oma vor mir sah.

 

Zu Hause warf ich die Hose in den Schrank zu den anderen 30 Stück und war endlos stolz, seit Jahrzehnten meine Figur gehalten zu haben.

40 oder 42 – sagte ich doch! 😉

 

liebe Shoppinggrüße

eure

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Beitragsbild: Pixabay

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