Von Marillenkernen, Trennungsschmerz und meinem Cowboy

Ich war so aufgeregt! Mein Lord kam in den Kindergarten, würde die Herzen aller Kinder bestimmt im Sturm erobern, eine tolle Zeit haben, im Garten toben und viele Freunde finden und ich würde endlich wieder arbeiten! Was das Ganze mit Marillenkernen, Trennungsschmerz und einem Cowboy zu tun hat, erzähle ich euch in dieser Geschichte. 

Er war ein dreieinhalbjähriger weißblonder aufgeweckter Dauerredner und freute sich schon seit Wochen auf die Eingewöhnung mit Mama in seiner Kindergarten-Gruppe. Die ersten Wochen verliefen problemlos, er machte eifrig mit und schien mit der neuen Situation keinerlei Probleme zu haben.

Gott war ich stolz! MEIN Sohn, der Meister der Flexibilität, der frisch gekrönte König unter den Rotznasen, passte sich problemlos jeder neuen Herausforderung an. Während sich andere Kinder schreiend an die Knöchel ihrer Mutter klammerten, als diese den Kindergarten verlassen wollten, war mein Lord ein „Weltenbummler“, ein Abenteurer, ein Cowboy, der sich wie ein wandelbares Chamäleon leichtfüßig jedem neuen Lebensabschnitt stellte.

In Woche Vier änderte sich alles. Der Abenteurer und Cowboy existierte nicht mehr. Er weinte morgens beim Erwachen, weil er in den Kindergarten musste und tat nichts anderes bis er wieder abgeholt wurde. Er verweigerte das Mitmachen jeglicher Aktivität, trank nichts, sprach nichts, betrachtete die anderen Kinder als potentielle Feinde und saß die meiste Zeit schluchzend in der Garderobe vor seiner Gruppe. Jeder Versuch der Pädagogin, ihn zu locken und zu beruhigen, scheiterte.

Ich war verzweifelt. Während er im Kindergarten weinte, weinte ich in meinem neuen Job und fühlte mich als die Rabenmutter der Nation. So als ob ich meinen Sohn verlassen, ausgesetzt, verraten und seinem Schicksal überlassen hätte. Ich wurde von schrecklichsten Visionen geplagt und fühlte mich wie in einem Alfred Hitchcock Streifen. Schließlich musste es doch einen Grund für seine Ängste geben. Ich sah schreiende Pädagogen vor mir, die Kleinkinder wie Soldaten zurechtweisen und andere Rotznasen, die auf meinen kleinen Lord einschlugen, während die Gruppenbetreuer Kaffee tranken und heimlich rauchten.

Der Höhepunkt meiner Depression war erreicht, als ich ihn eines Tages schweißgebadet abholte, weil ich die ganze Strecke gelaufen war und er schluchzend wie immer in der Garderobe saß.

Als er mich sah, rief er:“ Mama, ich hab nur die Kerne bekommen!!!“

Ich verstand nicht ganz, nahm ihn in den Arm und er erzählte mir, dass es zu Mittag Marillenknödel gegeben hätte. Ihm hätte man aber nur die Kerne serviert. Das war Mobbing auf höchstem Niveau!!!

 

Ich sah mich diesen Verein verklagen, Interviews in Talkshows geben und meinen Job kündigen, schließlich konnte es so nicht mehr weitergehen. 

 

Der Familienrat wurde einberufen und es wurde diskutiert, beraten und von mir viele Tränen vergossen, hatte ich doch noch immer das Gefühl an allem Schuld zu sein.

 

Bis der Lord von einem Tag auf den anderen plötzlich wieder so war wie in den ersten Wochen der Eingewöhnung. Er erwachte lachend, sprang aus seinem Bett und freute sich auf seine Gruppe. Er spielte, tobte und genoss seine Stunden im Kindergarten als wäre es nie anders gewesen. Jedes Kind, das weinte, weil es von seiner Mama getrennt wurde, belehrte er mit oberlehrerhafter Miene, es möge sich nicht so anstellen und rollte dabei mit den Augen. Er regte sich über die schluchzenden Rotznasen auf, welches Problem die denn hätten, schließlich wäre es keine Tragödie einige Zeit ohne Mama zu sein.

 

Der Cowboy war zurück, ich entspannte mich wieder und sah von einer Klage wegen den Marillenkernen ab. Man muss auch verzeihen können…

 

Alles Liebe, eure

 

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Von der Ankunft des Babylords und MEINER Revolution in der Pubertät

Driving in MY car, feeling like a STAR

 

Beitragsbild: TinyToes

 

 

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